Samstag, 25. Januar 2020

Vom Zuckerjunkie zum Besser-Esser




Servus Ihr Lieben,

im Januar hab ich ja begonnen ein bisserl bewusster mit meiner eigenen Ernährung umzugehen, was leider bei mir bisher einfach immer zu kurz kam.

Ich hab dann angefangen Schokolade und Süßigkeiten zu streichen und auch auf Softdrinks gänzlich verzichtet, ließ mal das Fleisch sein, ernährte mich vegetarisch und fühlte mich täglich besser.
Allein diese kleine Umstellung reichte, um bei mir eine echte Veränderung auszulösen.


Ich verlor Gewicht, war aktiver und stellte fest, dass man auch echt viel Spaß mit einem vegetarischen Lebensstil haben kann.
Für mich eine große Sache, denn ich bin wirklich für gewöhnlich sehr fleischig unterwegs.
Ich hab das einfach mal ausgetestet und siehe da, ich kam damit ganz gut zurecht.


Ich werde nicht zum Veggie werden, doch werde ich in Zukunft einfach versuchen, bewusster zu essen.
Doch so leicht, wie es sich anhört, ist es dann auch wieder nicht.
Beim wöchentlichen Einkauf würde man sich wundern, wo überall Zucker enthalten ist, den man so gar nicht vermuten würde.


Fast alle Produkte in den Kühlregalen enthalten in irgendeiner Form Zucker oder Zuckerersatzstoff, Müsli wird damit angereichert, Getränke sowieso und auch in fast allen Fertigprodukten findet man übermäßig viel Zucker.
Und genau hier liegt Gefahr.


Denn wir merken es einfach nicht. Wie von selbst greifen wir ins Kühlregal und holen uns unseren Fruchtjoghurt, den zusätzlich gesüßten Orangensaft und unser Müsli.
Über den Tag gibt’s ne Cola, denn man glaubt ja, das Wörtchen Zero auf der Flasche macht`s besser.
Und weil es ja nur einer ist, gibt’s am Nachmittag einen schönen Schokoriegel am Schreibtisch.


Kaffee mit einem Löfferl Zucker, wird ja ned so schlimm sein.
Und am Abend fährt man noch kurz beim Fast Food Riesen vorbei, denn man macht`s ja ned jeden Tag und hat halt heute wirklich keine Lust zum Kochen.

Und, erkennt sich der ein oder andere wieder? Natürlich nicht, denn wir leben ja alle viel bewusster, klar.
Mein persönlicher Lieblingssatz im Januar war aber folgender, als ich am Wochenmarkt einkaufen war.

Hier unterhielten sich zwei Männer am Metzgereistandl:
I muas jetzt a bisserl was gegen mei Gewicht machen, hat der Doktor gsagt, woast scho, wegen meinem Diabetes.
Dann drink i hoid einfach beim Wirt a Hoibe mehra, dann brauch i nimma so fui essen.


Ja, der dauert ein bisserl, einfach mal setzten lassen und genießen.

Ich glaub ja auch nicht umsonst seit Jahren, dass wir demnächst alle aussterben werden, nicht allein wegen solcher Spezialisten.

Aber er gehört halt auch dazu, zum bunten Reigen derer, die jahrelang mit dem Kopf an der Heizung geschlafen haben.
Eigentlich erstaunlich, was wir alle uns so antun und es sofort wieder verdrängen.


Da fällt mir aber noch ein kleines Beispiel ein.
Ich war neulich eingeladen und als wir so am Kaffeetisch saßen, teilte die Hausherrin uns mit, dass ihr Kind wohl eine Aufmerksamkeitsstörung hätte. Der arme Kleine.

Ich habe mir angewöhnt da lieber den Mund zu halten, doch als wir ankamen, hatte der liebe Kleine eine Tüte Süßigkeiten im Zimmer liegen, eine große Flasche Softdrink daneben stehen und natürlich musste der liebe Kleine noch zwei Stückchen Kuchen essen.

Dass der (bald nicht mehr so) Kleine wie eine Rakete durch die Bude wuselte, war da kein Wunder, denn die Menge an Zucker hätte wahrscheinlich ausgereicht, um ein Pferd zum Diabetiker zu machen.Wer da wohl die Störung hat.

Es geht aber nicht darum, alles zu verteufeln und zu verbieten, doch sollten wir uns echt mal vor Augen führen, was wir da so täglich in uns hineinschieben.
Noch nie in der Menschheit waren Lebensmittel so leicht zugänglich wie jetzt, doch müssen wir uns auch damit befassen, was und wie viel wir essen.


Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er sein will.
Zuckerjunkie oder ein "Besser Esser".

Ich für meinen Teil fühl mich pudelwohl und echt gut damit, meiner Waage zu zuschauen, wie die Pfunde purzeln. Ich fühl mich gesünder und aktiver.
Jeder ist hier seines Glückes Schmied, ich merke, mir fehlt es an nichts, ich habe meine Ernährung nur umgestellt, doch spar ich mit Sicherheit nicht am Genuss.

Ich wünsch Euch viel Spaß auf Eurem Weg zum "Besser Esser",

Mit kulinarischen Grüßen,
Euer

Samstag, 4. Januar 2020

Einfach köstlich Abnehmen - so kriegt Ihr Euer Fett weg!



Servus Ihr Lieben,

zuerst einmal möchte ich es nicht versäumen, Euch allen ein gesegnetes neues Jahr zu wünschen und hoffe, dass Euer Start ins neue Jahrzehnt gut gelungen ist.



Doch wie in jedem Jahr hab ich auch diesmal wieder ein bisserl über die Stränge geschlagen, wenn ich meiner Waage Glauben schenken darf.



Und so versuch ich mal wieder ein bisserl was von den Kilos zu verlieren, die ich mir so einverleibt hab.

Aber was hätt ich auch machen sollen? Ihr kennt das sicher auch, die guaden Platzerl überall und dann gibt’s Raclette hier und Ganserl da und hie und da inhaliert man mal schnell einen Schokonikolaus und schwupp hat man ein paar Kilos mehr drauf.



Aber ich hab Hoffnung für mich und so hab ich mir mal vorgenommen a bisserl weniger Brot und Schoki zu essen, auf gesüßte Drinks und Alkohol zu verzichten und einfach mal ein paar Veggie Tage einzulegen.

Und das Abnehmen auch köstlich und kinderleicht sein kann, zeig ich euch heute.

Daher gibt es, passend zum Winter, geschmorten Weißkohl und Ackergold mit Feldsalat.



Damit das auch bei Euch daheim funktioniert, braucht Ihr folgendes:

Einen kleinen Kopf Weißkohl, Fingermöhren, Pastinaken, Topinambur, Trüffelkartoffeln, Süßkartoffeln, Sellerie, Agria Kartoffeln, Lauch, Schalotten, Olivenöl, Salz und Pfeffer aus der Mühle, ein ¾ ltr. Gemüsebrühe, Kümmel, Knoblauch, Zitrone, Feldsalat sowie Agavendicksaft und weißen Balsamico.

Und so wird’s gemacht:



Am Anfang waschen und schälen wir unsere Gemüse. Aus den Schalen können wir uns im Anschluss gleich einen schönen Gemüsefond kochen, der uns später zum Aufgießen dient.

Sollte es ein bisserl mehr werden, umso besser, denn dann gibt’s noch ein schönes Tasserl Gemüsebrühe in den folgenden Tagen, das wärmt und ist gesund.



Sobald wir unser Gemüse geschält haben, scheiden wir es in möglichst gleichgroße Stücke und vierteln unseren Weißkohl.

Wenn Ihr das alles soweit erledigt habt, geht es auch schon los mit dem gemütlichen Teil.

Ab ins Reindl mit dem Gemüse, mit Olivenöl, Knoblauch, Salz und Pfeffer gewürzt, leicht mit Gemüsefond untergießen und bei 160°C in den vorgeheizten Ofen bei Ober und Unterhitze für 35-45 Minuten garen lassen, bis das Gemüse schön weich ist.

Ab und an mit etwas Gemüsebrühe begießen und fertig ist das Ackergold.



Während wir warten, waschen und marinieren wir unseren Feldsalat mit etwas Agavendicksaft, weißem Balsamico, einem Spritzer Zitrone und etwas Salz.

Dekorativ angerichtet und schon ist unser Schmankerl fertig.

Schlemmen mit einem guten Gefühl im Bauch und einem Lächeln auf den Lippen, wenn es auf die Waage geht.

Doch was am Wichtigsten ist, ist der Geschmack, denn der ist einfach wunderbar.



Und zumindest bei mir muss es nicht immer Fleisch sein, denn auch Gemüse kann so sexy sein und lässt das ein oder andere Pfund schmelzen.

In diesem Sinne, bleibts brav,

Euer

Alexander Reiter




Sonntag, 1. Dezember 2019

Nikolaus und der Fachkräftemangel- eine kulinarischen Weihnachtsgeschichte!



Es war einer dieser Winter gewesen, wie er nicht schöner hätte sein können. Angefangen bei den weißen Berggipfeln, die in der Sonne glänzten, über die schneebepuderten Wälder bis hin zu den kleinen Dörfern in den Alpentälern, war die ganze Landschaft wie verzaubert in einen weiß-glitzernden Mantel gehüllt.

Beseelt und glücklich ließen sich Mensch und Tier von der Schönheit der Natur in ihren Bann ziehen und es war ein gewisser Friede zu spüren, der alles erfasste.

Ein idealer Ort, um die Seele baumeln zu lassen, das Jahr zu verabschieden oder einfach nur die Schönheit der Bayerischen Alpen zu genießen.

Es war kurz vor Weihnachten und der Nikolaus hatte seine Arbeit bereits getan; wie jedes Jahr hatte er die Kinder in aller Welt besucht, die Braven belohnt, die Lausbuben verwarnt und die ein oder andere Süßigkeit verteilt.

Es waren wieder sehr arbeitsreiche Tage gewesen und der Nikolaus hatte sich seinen Urlaub einmal mehr redlich verdient.

Wie jedes Jahr verbrachte er diesen in einer kleinen Hütte in den Bergen, unweit eines kleinen Bergdorfes, in dem er von Zeit zu Zeit seine Vorräte auffrischte.

Mantel und Stab hatte er für dieses Jahr abgelegt und gegen eine winterfeste Hose mit Hosenträgern, einen Wollpullover und gepolterte Bergschuhe getauscht. Eine dicke Daunenjacke und eine Mütze machten sein Freizeit Outfit komplett.

Und so genoss er seinen Urlaub in vollen Zügen. Morgens, nachdem er ein paar Scheite in den Ofen geworfen hatte, brühte er sich ein Haferl Kaffee und versorgte anschließend die Tiere des Waldes mit ein bisserl Heu, Körnern und Früchten.

Hie und da hackte er Holz und am Nachmittag ließ er sich meist auf der kleinen Bank vor seiner Hütte nieder und ließ sich die Wintersonne auf seine Nase scheinen.

Doch ein besonderer Tag war für ihn immer der Besuch im Dorf, genauer gesagt, der Besuch in seiner Lieblingsbar, dem Holzstüberl.

Im Holzstüberl, ja, da konnte er so richtig die Seele baumeln lassen, eine urbayrische Einrichtung. Einer kleine, aber feine Getränkekarte und der Wahnsinns- Gewürzglühwein waren hier Programm, der nicht nur für den Nikolaus zu Weihnachten dazugehörte und bis weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt war.

Ein echter Geheimtipp eben.

Doch was dem Nikolaus hier am Besten gefiel, war die Freundlichkeit des Holzstüberl-Teams.

Sie waren das Herz und die Seele dieser kleinen Dorfbar und verliehen ihr diesen Zauber, den nur wirkliche Herzlichkeit hervorrufen kann und der die Gäste wirklich begeisterte.

Das Holzstüberl öffnete immer um 16.00 Uhr und der Nikolaus war immer einer der Ersten, um sich sein Platzerl direkt an der Bar und natürlich den ersten Glühwein zu sichern.

Doch irgendwas war heute anders, denn als er das Stüberl betrat, war niemand zu sehen. Kein herzliches Hallo, das ihm beim Eintreten entgegengerufen wurde und vor allem keiner, der zwinkernd fragte, ob er seinen Glühwein mit Schuß haben wollte oder nicht.

Er war verwundert, denn in all den Jahren war es das erste Mal, dass es hier so still war. Und so machte er sich auf herauszufinden, was los ist und ging langsam in Richtung Bar, wo er in einiger Entfernung im Backoffice ein leises Weinen hörte, dem er sofort folgte.

Hier angekommen sah er die sonst so fröhliche Steffi auf den Stufen zum Keller sitzen und so bitterlich weinen, dass es dem Nikolaus selbst fast die Tränen in die Augen trieb.

Und so fragte er sanft mit seiner beruhigenden Stimme, um sie nicht aufzuschrecken „Warum weinst Du denn Steffi? Kann ich Dir helfen? Bist Du gefallen?“

Steffi drehte sich sofort um, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und antwortete „Oh, Entschuldigung, ich hab Sie nicht reinkommen hören, tut mir leid. Darf es ein Glühwein sein, wie immer?“

Der Nikolaus merkte sofort, wie sie professionell versuchte, die Situation zu überspielen, aber er kannte diese nur zu gut, sozusagen eine seiner beruflichen Hauptfähigkeiten.

Er entgegnete ihr, mit gütiger, doch magischen Stimme, die eben nur der Nikolaus hat und die nur die Wahrheit zulässt:
„Stephanie, was ist los und warum weinst Du? Glaub mir, Du kannst es mir erzählen.“

Stephanie zögerte zuerst, doch da war etwas am „alten Nick“ (Nick war sein Name, wenn er inkognito unterwegs war), wie sie ihn hier nannten, etwas Besonderes, etwas Reines. Es war einfach unmöglich in dieses Gesicht zu blicken und zu flunkern, eigentlich seltsam.

„Es ist“ stammelte sie los, während sie sich mit einer Serviette die letzten Tränen vom Gesicht wischte „Es ist alles so anders geworden seit Du letztes Jahr hier warst, Nick. Es hat sich hier viel geändert. Die Anderen sind alle weg, haben besser bezahlte Jobs angenommen oder sind in eine  Branche mit geregelteren Arbeitszeiten gewechselt, in der sie auch mal frei haben und so.

Ich bin als Einzige übrig geblieben und versuche, alles so gut es geht am Laufen zu halten. Mein Chef schickt mir ab und an Aushilfen, aber das ist einfach nicht das Gleiche und jetzt hab ich eben grad einen Anruf von ihm bekommen, dass heute gar keiner kommt, sie haben ihm alle abgesagt.

Ich bin allein und das in der Hochsaison! Was soll ich denn jetzt machen? Ich kann einfach nicht mehr!"

Bei diesen Worten brach die Kleine wieder in Tränen aus und warf sich wie selbstverständlich an Nicks Brust, der sie sanft hielt und ihr Beistand leistete.

Als der Nikolaus sie so in den Armen hielt und ihren Schmerz spürte, wusste er, was zu tun war. Er musste ihr helfen!

Er war weiß Gott nicht der beste Schankkellner der Welt, doch hatte er den ein oder anderen Trick auf Lager und wo Not am Mann war, da konnte er nicht tatenlos zusehen, es war ja schließlich Weihnachten.

„Steffi jetzt hör mir mal ganz genau zu, wir beide werden das heute hier rocken und glaub mir, es wird ein ganz besonderer Abend werden, versprochen!“

Steffi schaute ihn mit großen Augen an „Du würdest mir wirklich helfen? Und das an Weihnachten?“

Er nickte und sagte „Ich bin Kummer gewöhnt, hab' ne ähnliche Branche wie Du und bin echt belastbar, glaub mir. Was hältst Du davon, wenn ich die Bar mache und Du den Service?“

Steffi nickte und Nick sah, wie ihr wieder ein erstes Lächeln übers Gesicht huschte und so machten sich die beiden bereit für die ersten Gäste, die nicht lange auf sich warten ließen.

Die ersten Bestellungen gingen Nick gut von der Hand, doch mit der Zeit kam er ganz schön ins Schwitzen. Einschenken, Gläser spülen, Getränke auffüllen und immer mal wieder nach dem Glühwein sehen, dessen Duft sich schon im ganzen Stüberl verteilt hatte. Da blieb kaum Zeit zum Durchschnaufen und das ein oder andere Glas musste leider auch dran glauben. 

Nach dem ersten Ansturm sah er sich um und sah, wie wundervoll und mit wieviel Freude Steffi ihre Gäste bediente und ihnen buchstäblich jeden Wunsch von den Augen ablas. Ein wahrer Engel war sie, doch wie lange würde sie das noch aushalten? Irgendwann ist jeder Akku mal leer und leider brennt eine Kerze, die doppelt so hell strahlt, wie andere, meist nur halb so lange. Es war für ihn ein wahres Weihnachtswunder, wie all die Menschen in Gastronomie und Hotellerie ihr eigenes Wohl alltäglich unter das ihrer Gäste stellten und trotz immer härter werdenden Umständen und dem sich verschärfenden Fachkräftemangel immer noch die Gäste verzauberten.

Wie lange würde es das noch geben, wenn der letzte Koch und letzte Kellner endgültig ausgebrannt waren?

Als der Abend so voranschritt, begannen die Gäste langsam zu singen und die Stimmung war auf dem Höhepunkt angekommen. Die Gäste waren selig und Steffi in Höchstform.

Nachdem Steffi eine kleine Zigarettenpause gemacht hatte, war nun Nick dran, sich ein Glaserl Glühwein im Hinterhof zu genehmigen. Eine kleine Pause geht eben immer.

Als der Nikolaus so im Hinterhof stand und sich seinen Glühwein schmecken ließ, war er sichtlich zufrieden mit sich. Er hatte Steffi helfen können, das machte ihn froh.

Wie er da so zufrieden dar stand, mit seiner dampfenden Tasse, sah er ein Auto auf den Hof fahren, aus dem ein Mann ihm direkt und barsch zurief „Und was machst Du da? Die Tassen darf man nicht mit nach draußen nehmen.“

Der Nikolaus schaute sich den Mann genauer an und erkannte in ihm den Seppi, der, mit Verlaub, schon als Kind ein Depp gewesen war und ihm eigentlich nur Scherereien gemacht hatte. Mehr als einmal war er versucht gewesen, ihn von den Krampussen mitnehmen zu lassen.

Da sieht man mal wieder, dass manch einer über die Jahre wirklich nix dazulernt.

„Ich mache Pause und trinke ein Haferl Glühwein“ antwortete der Nikolaus schließlich.

„Du arbeitest ned für mich und wir ham hier Alkoholverbot!“

Der Nikolaus sammelte sich einen Moment, um nicht die Fassung zu verlieren, „Oiso Seppi“ begann er langsam und den aufsteigenden Zorn in Zaum haltend. „Sepp Stadler für sie, damit des klar ist, ich bin der Wirt hier“ fiel ihm sein Gegenüber ins Wort.

„Servus Seppi, is mir wurscht, ich bin der Nikolaus und wir unterhalten uns jetzt mal über deinen Scheiß hier" entgegnete er mit einer Stimme, die wie vom Himmel selbst zu kommen schien und keinen Widerspruch zuließ.

Wie erstarrt blickte der Wirt in das ehrfurchtgebietende Gesicht des heiligen Nikolaus.

Dieser sprach nun mit schwerer, keinen Widerspruch zulassenden Stimme weiter, während hinter ihm, gerufen durch seinen Zorn, die Buttenmandl in seinem Rücken auftauchten, die Winterdämonen im Dienste des Heiligen, die immer bereit waren, das Böse zu bestrafen, wo sie es auch aufspürten.

„ Ich habe heute der Steffi geholfen, die ich weinend in deinem Stüberl gefunden habe! Du hast ihr keine Hilfe geschickt und hast sie allein stehen lassen mit all der Arbeit. Hast du denn gar kein Hirn, Seppi? Wie soll die dass denn schaffen, so ganz allein und schau an, was Du aus Deinem Betrieb gemacht hast! Du warst nicht der Grund, dass es über all die Jahre so gut gelaufen ist! Das waren Deine Mitarbeiter, Du Depp und Du hast sie nach und nach gehen lassen, weil Du nicht an die Bedürfnisse Deiner Leute gedacht hast.
Schäm Dich, Seppi“

Die fast nebelhaften Gestalten der Buttenmandl wurden bei diesen Worten immer wilder und ihre Augen glühten feurig rot, bereit zum Sprung und ihre Ruten zu schwingen.

„Ich hatte doch keinen“ stammelte Sepp nun betroffen, doch Nikolaus ließ keinen Widerspruch zu:

„Dann kümmere Dich selbst darum oder hilf mit, Seppi! Ich hab genug von Deinen Ausreden!"

Bei diesen Worten trat er einen Schritt zurück und ließ die beiden dämonischen Gestalten ihr Werk verrichten. Wobei zu erwähnen ist, dass seit sehr langer Zeit kein Mensch mehr eine solche Abreibung bekommen hatte, wie Seppi an diesem Abend von den Buttnmandeln.

Und für alle, die sich nun fragen, ob Gewalt eine Lösung ist oder nicht, kann ich als Erzähler nur sagen: natürlich nicht, aber manchmal und wirklich nur manchmal, wie in diesem Fall, hilft sie dem ein oder anderen Trottel etwas, wieder auf den rechten Weg zu finden.

Nachdem Seppi nun so vor ihm im Schnee lag, hob Nikolaus die Hand und die beiden Winterdämonen zogen sich in die Schatten zurück, aus denen sie gekommen waren. Nun war es wieder still auf dem Platz, fast wie wenn die Zeit stehengeblieben wäre.

Seppi sah hoch in die Augen, die ihn nun nochmals von oben bis unten musterten und hörte die eindringlichen Worte, die der Nikolaus nun sprach.

„Ich werde Dir nun einige Verhaltensweisen vorgeben und Du wirst Dich daran halten Seppi, sonst werden meine dunklen Gesellen Dich gleich dahin mitnehmen, wohin Du sowieso irgendwann hin kommst, soweit klar?“

Seppi nickte wild zitternd,

„Gut“ fuhr Nick langsam fort. „Du wirst von nun an für Deine Mitarbeiter da sein, für ihre Sorgen, ihre Bedürfnisse. Du wirst Dich, so gut Du kannst, darum kümmern, dass immer genügend Mitarbeiter vorhanden sind und Du wirst sie gut behandeln. Freie Tage sollten selbstverständlich sein und weil Weihnachten ist, wirst Du ihnen sicher auch ein Weihnachtsgeld zahlen, oder?“

Seppi nickte nochmals demütig.

„Und wenn Du all das machst und auch selbst versuchst, Dich ein bisserl weniger, wie ein Volldepp aufzuführen, werde ich Dich vielleicht nicht von meinen Gehilfen in den Sack stecken lassen.“

Nick half Seppi auf, klopfte ihm den Schnee aus der Kleidung und schob ihn Richtung Auto.

„Und jetzt gehst Du nach Hause, denn morgen beginnt für Dich ein neues Leben“.

Wie vom Affen gebissen sprang Seppi sogleich in seinen Mercedes und verschwand so schnell er konnte im Rückwärtsgang vom Hof.

Nick, der nun wieder die Ruhe selbst war, schaute in seine leere Glühweintasse und ging wieder zurück an seinen Arbeitsplatz.

Der Abend war noch lang und es wurde jede Menge gelacht und gesungen, die Gäste waren glückselig und Steffi war einfach wunderbar.

Zu späterer Stunde dann kam Steffi zu Nick hinter die Bar, drückte ihn fest an sich und flüsterte „Ohne Dich hätte ich es heute nicht geschafft Nick und ich bin dir sehr dankbar“.

Sie reichte ihm ihr Trinkgeld und sagte „Das ist alles was ich habe, ich hoffe, das genügt für Deine Hilfe“.

Nick lächelte, „Behalt das Geld, ich hab gerne geholfen und es war mir eine besondere Freude, mit Dir zu arbeiten".

So begannen die beiden langsam, das Stüberl aufzuräumen und die Stühle hochzustellen. Dabei bemerkte Nick Steffis besorgten Gesichtsausdruck und fragte „Was liegt Dir denn auf dem Herzen Steffi?“

Diese sah ihn an und sagte „Du hast mir heute toll geholfen, aber morgen ist auch wieder ein Tag, ich hoffe nur, dass mir mein Chef morgen jemanden zum Helfen schickt!“

Nick lächelte sie an und antwortete „Oh, er schickt Dir morgen jemanden, ich hab ihn draussen kurz getroffen, aber er musste gleich wieder weg! Es wird sich, glaub ich, einiges tun bei Euch im Stüberl, glaub mir!“

„Wenn das nur wahr wär" sagte Steffi voller Hoffnung.

„Da bin ich mir ganz sicher“ Nick zwinkerte ihr zu, drückte sie nochmal an sich, verabschiedete sich bei ihr und ging hinaus in die Winternacht.

In den kommenden Jahren danach bis heute kommen die Gäste von nah und fern, um Steffi und ihr Team im Stüberl zu besuchen und ihre Gastfreundschaft ist legendär.

Und Gott weiß warum, aber der Seppi ist bis jetzt noch nicht in der Hölle angekommen.Vielleicht auch darum weil Nick all abendlich an der Bar sitzt, bei seinem Haferl Gewürzglühwein.

***

Servus Ihr Lieben, 

wie Ihr merkt ist die momentane Situation auch an meiner Weihnachtsgeschichte nicht spurlos vorbeigegangen, doch habe ich, speziell an Weihnachten, die Hoffnung, dass der ein oder andere vielleicht doch noch merkt auf was es in unserer Branche ankommt.

Leider kommt der Nikolaus selten zu den Gastronomen und Hoteliers, was vielleicht auch besser ist, denn viele Krampusse würden Ermüdungsbrüche des Arms erleiden, vom dauernden Schwingen der Ruten und das hat kein Krampus verdient:-), find ich.

Solltet Ihr noch eine kulinarische Weihnachtsgeschichte lesen wollen, dann klickt doch einfach auf folgende Links:

Michis ganz besondere Weihnachtsgeschichte 
      

Nikolaus der heilige Küchenhelfer


Das Team des Schlemmerblogs München rund um Schlemmeronkel Herbert Hörnlein, Kuchenfee Nicole Savels und mir wünscht Euch ein wundervolles, gesundes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Gott beschütze Euch,

Mit kulinarischen Grüßen,
Alexander Reiter
www.alexanderreiter.de
www.schlemmerblog-muenchen.de

Sonntag, 10. November 2019

Gekochter Tafelspitz, ein Schmankerl, das die Seele wärmt!




Servus Ihr Lieben,

nachdem es jetzt draußen schon a bisserl fröstelt und der erste Schnee vor der Tür steht, möchte ich Euch ein ganz besonderes Schmankerl ans Herz legen, das kinderleicht zu kochen ist und einfach richtig guad schmeckt.




Speziell jetzt, wenn´s draußen kalt, wird gibt´s fast nix Schöneres, als einen gekochten Rindertafelspitz mit Kartoffeln, Wurzelgemüse und frisch geriebenen Meerrettich, serviert mit seiner eigenen, intensiven und kochend heißen Brühe, die Einem das Herzerl wärmt.




Ein Essen für die ganze Familie und das braucht Ihr dazu:

Zuerst einmal geht Ihr zum Metzger Eures Vertrauens und holt euch ein schönes Stückerl Tafelspitz, so 2Kg dürfen das schon sein.

Was es sonst noch braucht, ist schnell erklärt:




2 Zwiebeln, 2 Karotten, 1kleinen Sellerie, 1 Stange Lauch, 1 Große Pastinake und 4-5 festkochende Kartofferl.

An Gewürzen brauchen wir schwarze Pfefferkörner, 4 Wacholderbeeren, 2 Lorbeerblätter und Fleur de Sel, sowie ein Stangerl Meerrettich.




Und so wird’s gemacht:

Zuerst einmal stellt Ihr Euch einen großen Topf mit ca. 4 ltr. kaltem Wasser auf, gebt Euren Tafelspitz hinein und bringt ihn auf niedriger Stufe langsam zum Köcheln.




Wenn das Wasser langsam zu köcheln beginnt, bildet sich ein bisserl Schaum an der Oberfläche, den Ihr dann einfach abschöpft. Anschließend kommen Pfefferkörner, Lorbeer und Wacholder ins Wasser und unsere Zwiebeln, die wir vorher halbiert und mitsamt der Schale in einer Pfanne angeröstet haben. Das gibt unserer Brühe eine schöne goldene Farbe und ein großartiges Aroma.




Nun lassen wir unser Fleisch für ca. 2,5-3 Stunden köcheln und geben nach 2/3 der Garzeit unser Gemüse hinzu, welches wir in der Zwischenzeit geschält und gewürfelt haben.

Während unsere Fleischbrühe ihren Duft in der Küche verteilt, können wir uns den wichtigen Dingen des Lebens zuwenden und mit unseren Lieben das erste Glaserl Glühwein trinken, der Holden tief in die Augen schauen oder Ihr schmeißt schon mal ein paar Scheitel Holz in den Kamin, damit´s  im Haus so richtig gemütlich wird.




Wenn unsere Garzeit abgelaufen ist und wir unser Fleisch aus der Brühe genommen haben, schmecken wir diese noch ein bisserl ab und schon ist unser Familienschmankerl fertig.

Das Rezept sollte leicht für 4 Personen reichen oder halt für zwei mit einem Bärenhunger!




Auf unser Fleisch reiben wir dann noch etwas frischen Meerrettich und vollenden alles mit unserer heißen Brühe.

So einfach kann ein Sonntagsbraten sein, der die Seele wärmt.


Ich lass es mir jetzt schmecken und wünsche Euch viel Spaß beim Nachkochen und Genießen,

Euer

Alexander Reiter
www.alexanderreiter.de
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Dienstag, 15. Oktober 2019

Kirchweih mal GANS easy!


 

Servus Ihr Lieben,

am Kirchweihsonntag gibt´s ja bei uns in Bayern das traditionelle Ganserlessen.

Landauf, landab gibt’s dann wunderbar duftende Gänsebraten mit Rotkohl und Kartoffelknödeln.

Und wer kann einem solchen Schmankerl schon widerstehen, wenn es so verführerisch vor einem liegt.



Aber bei vielen bricht da eher der Stress aus und die Küche schaut meist nach fertigem Kampf aus, wie ein Schlachtfeld.

Und genau deswegen möchte ich Euch heute zeigen, wie das bei Euch dahoam ebenso guad gelingt, wie im Wirtshaus und das Ganze völlig easy.




Wir machen uns heute butterzart confierte Gänsekeulen und Brust mit Blaukrautwickerl und Preiselbeer-Kartoffelknödel

Als Erstes bereiten wir uns unsere Gänsekeulen vor; die könnt Ihr beim Metzger Eures Vertrauens holen oder zu dieser Zeit auch in jedem gut sortieren Supermarkt.




Zuerst würzen wir unsere Keulen und Brüsterl mit Hagelsalz, Pfeffer aus der Mühle, etwas Beifuß, frischem Orangenabrieb und etwas Thymian.
Die gewürzten Teile legen wir nun in einen Bräter und geben Gänse- und Butterschmalz hinzu, bis alle Teile bedeckt sind.

Nun kommt auch schon der einfache Teil. Der Bräter kommt auf mittlerer Schiene bei 85°Grad Ober und Unterhitze für 5 Std in den Ofen bis das Fleisch butterweich ist. Die Brüsterl nehmen wir schon nach der Hälfte der Garzeit heraus.




Das Schöne bei dieser Methode ist, Ihr könnt Euch Euer Ganserl gut vorbereiten und müsst auch keine Angst haben, dass Euch irgendwas im Ofen verbrennt.


Nun da unsere Gänseteile im Ofen sexy vor sich hingaren, haben wir Zeit uns um unsere Sauce zu kümmern. Hierzu rösten wir Gänseknochen bei 220°Grad im Ofen goldbraun und geben diese anschließend in einen Topf, rösten hier noch ein wenig Sellerie, Karotten und Zwiebel mit an und löschen mit Rotwein ab, den wir natürlich vorher probieren, denn es ist ja Feiertag:-). Dann lassen wir es etwas einkochen und gießen das Ganze mit Gänse- oder Geflügelfond auf. 



Nun lassen wir unsere Sauce ein wenig einkochen, geben noch etwas frische Orangenschale und Saft dazu, je nach Gusto und etwas Preiselbeeren. Nach Belieben mit etwas altem Balsamico, Salz und Pfeffer abschmecken und ggf. mit Speisestärke etwas abbinden.



Und schon sind wir bei unseren Blaukrautwickerln.

Die äußeren Blätter kochen wir kurz ab und schrecken diese anschließend in Eiswasser ab. Nun schneiden wir den restlichen Kohl in Streifen und kochen uns ein schönes Blaukraut. Zu unserem geschnittenen Blaukraut kommt je 500g eine Zwiebel in Streifen, 3 El Apfelmus, 2El Zucker, 4 El Rotweinessig, ¼ ltr Wasser, 8cl Rotwein, Lorbeer und Nelke. Das Ganze lassen wir am besten über Nacht marinieren und kochen unsere Kraut am nächsten Tag fertig. Um etwaige Flüssigkeit gut zu binden kann man das Blaukraut mit etwas Kartoffelstärke abziehen.




Anschließend formen wir die äusseren Blätter zu Wickerl und vollenden diese noch mit Speck. Die Wickerl noch einmal im Ofen bei 160° Grad erwärmen und am besten im Reindl servieren.
Wer mag, kann natürlich auch "nur" Blaukraut machen, geht dann noch schneller.




Dann last but not least kommen wir zu unseren Preiselbeer Kartoffelknöderln. Hierzu holt Ihr Euch 500g mehlig kochende Kartoffeln. Diese werden weich gekocht kocht, gepellt, solange diese noch heiß sind und durch die Kartoffelpresse gepresst. 

Nun mit ein paar Eigelben und ca.12-15g Speisestärke zu einem glatten Teig verarbeiten. Wenn die Masse leicht abgekühlt ist, schöne runde Knödel formen - in unserem Fall mit Preiselbeeren füllen - und in, mit Stärke leicht abgebundenem Wasser für ca. 20 min in siedendem Wasser ziehen lassen.




Nun vollenden wir unser Kirchweihessen noch, indem wir unsere Gänsebrüste und Keulen in der Pfanne noch etwas Resch anbraten und schon kann es losgehen mit dem Genießen.


Am Besten mit Freunden oder der Familie, denn dann schmeckt es noch besser, mit guter Laune, Liebe und einem schönen Glaserl Wein.


In diesem Sinne, bleibt´s brav und kocht´s was Schönes,

Mit kulinarischen Grüßen,

Euer

Alexander Reiter

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