Samstag, 28. Dezember 2013

Der Tag, an dem Franzl die Party sprengte!


Der Tag, an dem Franzl die Party sprengte!

Als der Vater zum kleinen Franzl kam und sagte „Du darfst heute mit auf den Silvesterball gehen“, grinste der kleine Bub über beide Ohren, denn er wusste zwar nicht was ein Silvesterball ist, aber er freute sich, dass er nicht bei der alten Schachtel von Niedermeier bleiben musste, die seine Eltern immer als Babysitter einsetzten, wenn sie irgendwo eingeladen waren. Das allein war schon ein Triumph.
Das Gröbste war schnell erledigt und so wurde der Sonntagsanzug angelegt, der Scheitel nach links gekämmt und schwupp, siehe da, Franzl sah aus, wie ein Mensch. Auf der Fahrt kam dann wieder die übliche Ansprache: Sei brav bla und das du uns nicht blamierst bla und setzt dich anständig hin usw.
Es ging über eine lange gewundene Straße hinauf auf eine kleine Anhöhe, auf der ehrwürdig und von allen Seiten beleuchtet das Grandhotel stand. Vor dem Haus reihten sich die Nobelkarossen  und der  Parkservice kümmerte sich freundlich um die Fahrzeuge der Gäste. Draußen auf einem großen Plakat vor dem Eingang stand in großen Buchstaben “ Großer Silvesterball im Grand Hotel mit exklusivem Feinschmeckerbuffet - durch den Abend führt Sie die Band Temptation.
Okay, dachte sich der Franzl, verstanden - Musik, Essen und alte Leut, könnt schlimmer sein. Wenigstens nicht um 8h ins Bett!
Als er gemeinsam mit seinen Eltern die Hotelhalle betrat, kam er aus dem Staunen nicht mehr raus. Ein großer schwerer Leuchter hing von der Decke, Wandteppiche, Gold wohin man schaute und ein großer Empfangsbereich in dem geschäftig gearbeitet wurde. Eingefasst von zwei goldenen Löwen führten zwei geschwungene Treppen hinauf zum Ballsaal.
Dort oben angekommen, ging es gleich weiter; den Erwachsenen wurde ein Aperitif gereicht und es wurden allerhand Häppchen angeboten.
Franzl zog es wie magisch ans Buffet, wo die anderen Gäste schon begeistert vor den Speisen standen. Skulpturen aus Eis, Hummerplatten mit Kaviar, Lachs und viele weitere wunderschön ausdekorierte Speisen  waren hier zu sehen.
Roastbeef und Perlhühner, Heilbutt, Dorade, Lamm, und vieles mehr. Das Salatbuffet, Käse, Desserts  und eine riesige Brotauswahl rundeten das Angebot ab.
Hinter dem Buffet standen die Köche in ihren schneeweißen Uniformen, mit den Händen auf dem Rücken und warteten auf die Eröffnung des Buffets. Nachdem der Empfang vorüber war und sich die Gäste langsam gesetzt hatten, wurde es still im Saal.
Der Hoteldirektor betrat die Bühne und begrüßte seine Gäste. Anschließend stellte er noch die Band des Abends vor und sagte die Worte, auf die scheinbar schon alle gewartet hatten, da sie gleich  losrannten: “Das Buffet ist eröffnet“.
So war Franzl plötzlich allein, der Saal war leer, alle waren am Buffet. Genug Zeit, dachte er, um sich a bisserl umzuschauen.
Und was mussten seine begeisterten Augen denn da sehen? Unter jedem Tisch schienen etliche Pakete mit Raketen, Böller und Chinakrachern zu liegen. Tja, wenn´s so rumliegt, sollte man es einsammeln. Gesagt, getan. Und so hortete er schnell ein beachtliches Arsenal  unter der Bühne, wo er alles gut im Blick hatte und alle 2 Meter ein Guckloch eingelassen war.
Da ihn keiner zu vermisste schien, entschied er sich für eine kurze Stärkung, nahm einen Perlhuhnschlegel auf die Hand und stibitzte beim Vorbeigehen noch ein Feuerzeug vom Tisch.
Er zog sich wieder unter seine Bühne zurück und der Saal füllte sich langsam wieder. Die Teller zum Bersten gefüllt, wurde jetzt geschmaust und die Musik begann zu spielen.
Franzi warf seinen Perlhuhnknochen hinter sich und begann mit seinen persönlichen Vorbereitungen.
Jeder der Lufteinlässe der Bühne wurde mit Raketen bestückt und die Böller und Knallfrösche wurden bereitgelegt.
Als die Band Waterloo spielte empfand unser kleiner Pyrotechniker dies als Startschuß und feuerte die erste Salve Raketen in den Speisesaal. Nachdem sie am Saalspiegel abprallten, explodierten diese formschön in der Mitte des Saals in einen prickelnden Blau, gefolgt von einem leichten Rot und dem Schrei von Frau Müller, die sich wahrscheinlich gerade an ihrem Hummer verschluckt hatte. Die zweite Salve ging aus dem Raum heraus direkt ins Buffet und zerlegte die Eisskulptur mit nur einem Schuß. Die Köche bewaffneten sich mit Messer und Suppendeckel und blickten um sich, um den Feind zu lokalisieren, aber der Angreifen war nicht auszumachen. Erstaunlicherweise versuchten die meisten Männer im Saal ihren Teller noch schnell leerzuessen, anstatt ihre Frauen zu retten - Prioritäten eben.
Unser Heerführer entschied sich nun ein wenig Verwirrung zu stiften und warf gut 30 Böller und Knallfrösche in den Saal.
Jetzt war es endgültig vorbei: die Frauen kreischten, packten ihre Männer und  versuchten aus dem Saal zu gelangen. Herr Schmitt flüchtete mit seinem Teller in der Hand, die Sauce gleichmäßig auf dem ganzen Anzug verteilt  und mit einem Lammkotlett  im Mund.
Das Buffet war durch einige Böllereinschläge nun auf der Wand verteilt und die Jacken der Köche waren nicht mehr ganz so strahlendweiß wie vorher.
Franzl, der inzwischen unauffällig unter der Bühne hervor kroch, fand auf halbem Weg zum Ausgang seine Mutter, die ihn mit einem “Mein Junge - Gott sein Dank“ in die Arme schloss und nach draußen brachte.
Es dauerte fast eine Stunde den Saal zu räumen  und man konnte sich nicht erklären, wie es zu diesen Explosionen gekommen sein konnte. Nachdem  ja alle mit dem Schrecken davongekommen waren, standen die fast 300 Personen nun im Park vor dem Hotel und es wurde auf Anweisung der Direktors Glühwein serviert.
Irgendwann begann jemand zu zählen „ 10,9,8..“ und alle stimmten mit ein. Die Menschen schauten sich an und jedem zauberte es ein Lächeln ins Gesicht, wo vorher noch Bratensauce war.  Von allen Seiten hörte man „Fröhliches Neues Jahr“ , Küsschen links, Küsschen rechts, man fiel sich in die Arme und der Himmel rundherum wurde erleuchtet vom Feuerwerk.
Unserer kleiner Tunichtgut dachte so bei sich “ Eine Bombenparty, ich freu mich schon auf´s nächste Jahr“ , lächelte verschmitzt und nippte an seinem Kinderpunsch.

Liebe Schlemmerleser,
Ich wünsche Ihnen allen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2014!
Mit festlichen Grüßen,
Alexander Reiter

Samstag, 21. Dezember 2013

Die bisserl andere Weihnachtsgeschichte!


Die bisserl andere Weihnachtsgeschichte!

Im Restaurant Betlehem geht heut echt die Post ab. Es ist Weihnachtsabend und wie jedes Jahr  steppt wieder der Bär. Eben gerade wurde der letzte Tisch vergeben,  an ein Pärchen -  Joseph und Maria oder so und der  Oberkellner Kaspar geleitet die beiden zu ihren Plätzen. In der Küche geht es seit einigen Tagen rund und die Köche Melchi und Balthasar geben alles. Es wird geschnitten und gekocht, gedämpft und gebraten. Es ist den beiden schon anzusehen und dennoch haben sie ein leichtes Lächeln im Gesicht, denn sie tun das, was sie lieben und ihr Menü ist für die meisten Gäste der Höhepunkt der Weihnachtsfeiertage.
Aber damit nicht genug, während draussen die Gäste auf ihre Vorspeise warten und zuvor noch der kleine Gruß aus der Küche serviert wird, arbeiten die Köche auch schon für die nächsten zwei Feiertage.  Weihnachten ist da immer eher recht stressig -Tisch 1 mit Joseph und Maria lobten gerade eben das Süppchen und sehen an diesem Abend sehr glücklich aus. Familie Stern am Nebentisch strahlt über beide Ohren und ist mit dem Essen sehr zufrieden. Alle Gäste scheinen den Geist der Weihnacht in sich zu tragen.
 Zum Hauptgang gibt’s heute Rind, das die Köche recht nachhaltig von einem Bauern gekauft haben, der in einem kleinen Stall auch noch andere Tiere gehalten hat - ein paar Schafe und einen Esel. Schöner kleiner Stall und ein echt netter Mann. Herr Wirt am 10er Tisch ist, wie immer, a bisserl schwierig, aber das kennt man ja von ihm. Er hat eine Pension am Ende der Straße und ist nicht gerade „Mister Nice Guy“. Manchmal weißt er sogar Leute ab,  so erzählt man sich im Dorf. Aber was soll´s, ein flotter Spruch von Kaspar und schon ist wieder alles okay. Ein guter Service ist eben alles. Es läuft super, die Küche gibt ihr Bestes und auch Hauptgang und Dessert kommen toll bei den Gästen an. Danach noch Pralinen, heute mit Goldauflage, von Kaspar mit einem Lächeln eingesetzt - ein toller Abschluss.
Nun machen sich die Gäste langsam auf den Weg und unsere drei Freunde verabschieden die Gäste noch alle mit Handschlag an der Tür. Dabei fällt Melchi auch auf, dass die Dame an Tisch eins wohl hochschwanger ist. Das erklärt die Menüänderung!
Nun wird die Küche geputzt und im Gastraum alles zurechtgemacht für morgen und dann machen sich unsere Drei auf in den wohlverdienten  Feierabend. Die Chefin sperrt hinter ihnen die Tür zu und so machen sich Kasper , Melchi und Balthasar auf den Heimweg. Auf halbem Weg  sehen sie plötzlich am Strassenrand das Pärchen von Tisch 1 wieder. Joseph kommt sofort auf die drei zu und schreit heraus “Es ist soweit - wir bekommen ein Baby! Bitte helft uns, wir brauchen einen Platz, wo Maria das Kind bekommen kann“. Balthasar, der ja nicht umsonst Küchenchef ist, reagiert sofort und deutet auf einen Stall in der Nähe. „Da drüben ist ein Stall, wir bringen euch da hin. Melchi, mach ein weiches Plätzchen im Stroh zurecht“.
Und so bringt Maria ihr Kind unbeschadet in dem kleinen Stall zur Welt, umringt von Schafen  einem Esel, Kaspar, Melchi und Balthasar, dafür ohne Kuh.
Es ist ein magischer Abend und unsere drei Gastrokönige sind  voller Freude, als ihnen Maria den Kleinen zum ersten Mal entgegenstreckt. Irgendwie geht ein Strahlen von dem kleinen Mann aus und so fragt Kaspar schließlich „Wie soll er denn heißen, der Kleine?“
Maria gibt ihrem Baby einen Kuss auf die Stirn und sagt “Er soll Jesus heißen.“
Melchi lächelt verschmitzt und erwidert “Jesus ist ein schöner Name, er wird bestimmt mal Koch!“
Liebe Schlemmerleser,  ich wünsche Ihnen allen eine fröhliche und besinnliche Weihnacht und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Ich bedanke mich  von Herzen für Ihr anhaltendes Interesse am Schlemmerblog und freue mich schon sehr auf ein neues, genussreiches Jahr mit Ihnen.
Mit weihnachtlich - geschmackvollen Grüßen,
Ihr
Alexander Reiter

Sonntag, 8. Dezember 2013

Oh du fröhliche Einkaufszeit! Von Monstern und Schoko - Jaqueline!


Oh du fröhliche Einkaufszeit ! Von Monstern und Schoko - Jaqueline!
Wenn man in diesen Tagen so den Trompetenspielern und Kinderchören lauscht, die uns durch die Vorweihnachtszeit begleiten, könnte man meinen, die Welt ist nun voller Harmonie und Freude.  Die Staade Zeit hat Einzug gehalten und in den Ohren klingen Lieder wie „Oh du fröhliche“ und „stille Nacht“.  Friede überall.
Von wegen!! 
Wir befinden uns inmitten der trügerischen und höchstbrutalen Einkaufs- & Feinkostschlacht. Man ist nirgendwo sicher - nicht an der Fleischtheke und schon gar nicht bei Fisch und Geflügel. Was man momentan erlebt, hat mit der Harmonie draußen eigentlich gar nix zu tun. Liebe alte Frauen, die eine Minute vorher noch am Rindermarkt einen Glühwein getrunken haben, mutieren in der Schrannenhalle zu Monstern, die einen mit einem Ellenbogenstoß in die Rippen zur Seite schieben, um an ihnen vorbei möglichst schnell zum Kaviar zu kommen.
Das Faszinierende dabei ist, daß fast alle diesen „Survival Mode“ eingeschaltet haben. Da ist plötzlich nichts mehr zu spüren von Harmonie und Friede. Da wird gehamstert und gekauft was das Zeug hält und man könnte meinen, die Welt geht nach oder sogar schon vor den Feiertagen unter.
Mich selbst hat`s auch erwischt und ich wurde zum Opfer - beim Käse. Ich wollte nach dem Reblochon greifen, doch eine alte Dame war schneller. Der triumphierende Blick war schon ein bisschen verstörend. Und sie drückte ihn dann auch noch etwas an sich. Hätte sie mich angefaucht und gesagt “ Mein Schatz“, hätte ich mich auch nicht mehr gewundert.
Ebenso spielen sich hier weitere, vorweihnachtlich Dramen ab, die ihresgleichen suchen. Streitende Ehepartner, die sich mitten im Markt darüber in die Weihnachtswolle kriegen, was es denn zu Essen gibt; mit klein Jaqueline am Hosenbein, die gerade selbst entschieden hat, schon mal was zu essen und heiter das ganze Süßigkeiten Regal auseinanderreißt. An der Schokolade um ihren Mund kann man noch erkennen, dass das Letzte wohl mit Nüssen war. Den Rest kann die Kassiererin dann vom T-Shirt ablesen - Hmm Lecker! Auch die Verkäuferinnen sind im Überlebensmode und es kommt nur noch ein mürrisches „vorne rechts“ auf meinen weihnachtlichen Gruß und die Frage, wo ich wohl den Schinken finde.
Meine Frau passt da aber irgendwie super rein; nachdem sie zuhause einen Schlachtplan auf einen Zettel gezeichnet hat, wo die Angriffsziele äähhh Lebensmittel draufstehen und mir ein kurzes “ Ich mach das“ zugerufen hat, wirft sie sich ins Getümmel. Ich bin inzwischen zum Lastenkamel degradiert und lauf einfach hinterher.
Wo ist der Geist der Weihnacht geblieben hier drin, die Freude und Nächstenliebe? Dabei könnte es sooooo schön sein, wenn wir alle etwas netter zueinander wären.
“Hey Sie da, das ist mein Lachs, Finger weg“!
In diesem Sinne, fröhliche Weihnachsteinkäufe,
Ihr
 Alexander Reiter