Samstag, 13. Dezember 2014

Santa Claus und der Küchenchef!


Santa Claus und der Küchenchef-eine Weihnachtsgeschichte!

Es war die Weihnachtsnacht, überall in den Häusern feierten die Menschen und freuten sich zusammen mit ihren Lieben über die Geburt Jesu. Es schien, dass in dieser Nacht alle Zuhause im Kreise der Familie waren und eine friedvolle Stille lag über Allem.
Na ja, fast alle feierten - bis auf einen, Santa Claus. Wie gewohnt ritt er mit dem Schlitten durch die eisige Nacht und zauberte mit seinen Geschenken ein Lächeln in die Gesichter der Kinder in aller Welt.
Doch als er gerade so über Bayern flog, tobte ein gewaltiger Schneesturm über den Bergen und Santa geriet genau hinein. Die Rentiere hatten ihre rechte Mühe den Schlitten in der Luft zu halten. Rudolfs Nase begann wie ein Blinklicht hektisch zu leuchten und man sah ihm die Anspannung bis in die Geweihspitzen an. Santa hatte keine andere Möglichkeit, er musste irgendwo landen. In nicht allzu weiter Entfernung entdeckte er ein schmuckes Wirtshaus mit einem Hinterhof. Anscheinend verließ gerade das letzte Auto das Gelände, aber die Lichter brannten noch. „Egal“ dachte sich Santa „Ich muss jetzt da runter“.
In einem waghalsigen Manöver lenkte der Weihnachtsmann wacker seine Rentieren durch den Sturm und landete mit einem Rumps  in der großen Mülltonne, welche im Hinterhof des Lokals stand. Rudolf schlug sich den Kopf an und ich glaub, es flogen tatsächlich Vögelchen um sein Geweih, kann mich aber auch getäuscht haben. Santa saß inmitten der Salatblätter und Servietten und begann schallend zu lachen.
„Na meine Getreuen, alles in Ordnung bei euch?“ fragte Santa in die Runde. Alle nickten und fühlten sich mit einem mal schon viel besser und Santa begann, seinen  Mantel abzuklopfen.
Zur selben Zeit war im Lokal das Hauptgeschäft gerade zu Ende gegangen und die Gäste und Angestellten des Traditionshauses  waren alle schon gegangen. Lediglich Küchenchef Andreas wollte nach getaner Arbeit noch seinen Kontrollrundgang absolvieren und die Lichter löschen. Er war heute doch recht müde -  220 Gäste Weihnachtsmenü mit 5 Gängen und ein sehr  schwieriges Menü noch dazu. Aber er war glücklich. Es war alles gut gelaufen, seine Köche waren fantastisch gewesen und jeder Handgriff hatte gepasst - ein toller Abend.
Als er gerade das Licht in der Küche ausschalten wollte, hörte er einen großen Knall draußen im Hinterhof, der ihn aufschrecken ließ. „Ja was ist denn da los?“ wunderte er sich. Er glaubte zuerst, der Baum im Hinterhof wäre vom Sturm umgerissen worden, aber als er durch das Fenster schaute, stellte er fest, dass der Baum noch da stand. Nur die Große Mülltonne im Hof stand schief da und war an die Wand geknallt. „Wahrscheinlich vom Wind“ dachte Andreas, warf sich seinen Jancker um und stürmte raus auf den Hof.
Als er sich durch den Sturm kämpfte, fluchte er laut allerlei unchristlicher Sachen, doch als er fast da war, sah er plötzlich eine dicke Gestalt aus der Mülltonne krabbeln und er rieb sich die Augen, weil er es nicht glauben konnte.
„Hey Meister, was machst den du in meiner Mülltonne? Bist besoffen reingefallen oder was? Also, du hast dich sicher verlaufen, nach der Schicht im Einkaufszentrum oder?“ rief Andreas dem Unbekannten entgegen.
„Ho Ho Ho -  Merry Christmas, ich bin der Weihnachtsmann“ antwortet Santa. „ Ja klar, da wär ich nie draufgekommen, erwiderte  Andi, wie der Osterhase schaust ja ned grad aus. Was machst den hier draußen, Du Verrückter?“
„Ich hatte einen Unfall mit meinem Schlitten“ klärte ihn Santa auf und Andreas sagte kopfschüttelnd „ Weißt was, da Du offensichtlich schon länger hier draußen bist, so an Schmarrn, wie du redst, geh ma doch lieber rein. I mach dir an Tee, dann wers´t wieder frisch, du Amateur Weihnachtsmann“.
Die Rentiere warteten geduckt in der Tonne und lauschten dem Gespräch, eingebettet zwischen Salat und Gemüse. Kaum der Rede wert, Rudolf hatte bereits drei Kohlköpfe verputzt und machte sich gerade an einer Tomate zu schaffen.
Andreas und der Weihnachtsmann stapften durch den Sturm durch den Hof zurück in die Küche, wo der Küchenchef zuerst einmal, ohne Santa zu mustern, fragte „Na, hattest wohl auch ne anstrengende Nacht“. „ Aber ja Andreas, ich bin der Weihnachtsmann und bringe den Kindern auf aller Welt heute ihre Geschenke“. „Woher weißt du, wie ich heiße?“ Andreas war erstaunt, doch dann fiel ihm ein, dass sein Name ja draußen über dem Eingang steht. Der angebliche Santa muß ihn dort gelesen haben.
„Jetzt mal ehrlich, die Leier hatten wir schon, also, da du weißt wie ich heiße, da wäre es fair, wenn du mir deinen Namen sagen würdest“ sagte er. „Aber natürlich, mein Name lautet Santa“. Andreas schmunzelte „Na egal, da du scheinbar echt lang draußen warst, nenn ich dich halt Santa. So Santa, hast du Hunger? Also ich hab Hunger und Durst hab ich auch, magst a Bier?“.  Santa neigte den Kopf„ Also Andreas ich weiß ja nicht recht“.  „Hab dich ned so, also ein Bier. Kommt sofort. Aber wenn du Hunger hast, muast mitkochen“. Andreas war schon auf dem Weg zur Theke und konnte Santas verdutztes Gesicht nicht sehen. Mit zwei Bier in der Hand kam Andreas zurück und reichte Santa eines mit den Worten „Also des Gröstl macht sich ned von selbst. Nimm einen Schluck und dann, auf geht’s, schneid amoi die Kartoffeln“  Ehe Santa sich´s versah, hatte er eine Schürze an, ein Messer in der Hand und schnitt Kartoffeln. Andreas stellte eine Pfanne auf und schnippelte Speck und Zwiebeln zusammen. „Also des war heut ein Service“ sagte Andreas plötzlich zu Santa. Dieser sah auf und fragte „ Was meinst du?“. „Ja weißt du Santa, mein Job ist es Menschen glücklich zu machen. An den Feiertagen oder wann immer es was zu feiern gibt“ antwortete Andreas ihm. Santa hielt kurz inne „Hmmmmm, das ist auch mein „Job“, wie du es nennst“. „Echt? Bist du Koch oder Kellner? Na Koch kannst ned sein, so wie du die Kartoffeln schneidst“. Andi lächelte und Santa konnte nicht anders, als schallend loszulachen. Die beiden schauten sich an und waren sich ohne Worte einig. Man verstand sich und mochte sich. Santa fiel dabei auf, dass es Andi egal war, ob er aus einer Mülltonne kam oder wer er war. Er hatte scheinbar den ganzen Tag gekocht und ließ es sich aber trotzdem nicht nehmen, ihn, einen Fremden, zu sich einzuladen, mit ihm zu kochen und ihn zu bewirten. „Bemerkenswert der Andreas“ dachte Santa bei sich „Als Kind war er ja ein rechter Bazi gewesen, was für eine Wandlung“. Als Santa so sinnierte schrie Andi plötzlich „Hey Santa, ziag amoi die Pfanne weg, sonst brennts an“.
Das riss Santa aus seinen Gedanken und er versuchte nun unter Anleitung unseres Küchenchefs mit voller Energie zu kochen. Und siehe da, die beiden zauberten ein tolles Gröstl und einen gemischten Salat gab es auch noch dazu. Die Rentiere lugten schon seit geraumer Weile durch das Fenster und schüttelten die Köpfe. Ihren Chef hatten sie noch nie Kochen gesehen, der konnte doch noch nicht mal richtig Geschenke einpacken. Er lachte, brutzelte und hatte eine Menge Spaß, wie es schien. Und scheinbar war er echt talentiert.
Als die Arbeit getan war, setzten sich Andreas und Santa, die beiden Freunde, an einen Tisch im Lokal und ließen sich ihr Schmankerl schmecken. „Du Santa, hat echt Spaß gemacht mit dir“ sagte Andi, „Wenn du willst, kannst heut hier übernachten, oben ist noch a Zimmer frei. Und da es dir momentan scheinbar ned so gut geht, na ja ich könnt Hilfe in der Küche brauchen“.
Santa schaute auf und lächelte „Andreas, ich danke dir sehr für Alles, aber ich habe einen Job - Ich bin der Weihnachtsmann“.
„Also, ich versteh schon, aber wenn du mal Lust hast zu kochen, kannst du jederzeit vorbeikommen, okay“ schlug Andi ihm vor. „Das nehme ich gerne an, Meister Andi“. Santa nickte dankend, stand langsam auf und, wie es Andi schien, entstand ein Leuchten um ihn herum. „Na ja“ dachte er sich,  „Zwei Bier, da sieht man schon mal ein Leuchten“. Sich vor seinem Gastgeber verneigend verabschiedete Santa sich von ihm „Ich muss jetzt aber wirklich gehen. Du bist ein guter Mensch und ich danke dir für Alles“. „Des passt scho“ winkte Andreas ab „Wart, i bring dich noch raus“.
Als Andi die Tür öffnete und den Schlitten mit den Rentieren sah, die sich bereits vor dem Lokal aufgestellt hatten, blieb er wie angewurzelt stehen. „Ja da legst di nieder, du bist ja wirklich der Weihnachtsmann“ rief er aus.
„Sag ich doch Andreas, und nun mach den Mund zu es ist kalt hier draußen“. Santa stieg schmunzelnd in seinen Schlitten, winkte und glitt um wirbelt von Schneeflocken in den Himmel.
Andreas war noch immer baff, saß aber inzwischen lachend im Schnee und grinste. „Ich hab mit dem Weihnachtsmann gekocht, das ist ja ein Ding!“ ging es ihm durch den Kopf. „Der Wahnsinn“.
Seit dieser Zeit wird sich erzählt, dass man manchmal abends in Andis Restaurant Gröstl auf der Karte steht und dann kocht er dieses immer zusammen mit einem  älteren Mann mit einem weißen Bart. Keiner kennt den Herrn, aber das Gröstl ist super, es wird viel gelacht und in der Küche herrscht irgendwie eine weihnachtliche Stimmung.
Und alle Menschen sind nach einem Besuch besonders glücklich, eben so, wie es sein soll.
Eine gesegnete Weihnachtszeit,
mit köstlichen Grüßen,
Ihr
Alexander Reiter