Freitag, 3. April 2015

Dath Vader und der Osterhase

Darth Vader und der Osterhase


Als Anderl und Franzl noch sechs waren, war alles, wie es sein sollte. Waren das Zeiten gewesen! 
Doch jetzt, mit sieben, wo der Ernst des Lebens begann, merkten die beiden, dass sich die Erwachsenen sehr eigenartig verhielten und öfter mal so Sätze sagten wie “Du bist ja jetzt schon groß“ und dann irgendwas erklärten, wie, der Osterhase ist nicht echt und so was. Von wegen!

„Franzl, denen zeigen wir es, Ausrüstung anlegen und los geht’s!“ „Operation Osterhase!“ Gesagt, getan. 
Unsere beiden bewaffneten sich mit ihren Steinschleudern und stopften sich genug Munition in die Hosentaschen, dass sie Österreich hätten einnehmen können und machten sich auf, den Osterhasen zu finden. 
Franzl war mit einem Cowboyhut und mit zwei Schleudern im Halfter ausgerüstet. Anderl hatte seine Darth Vader Maske aufgesetzt und antwortete nur noch mit einem schweren Atmen“ Schhhhhhh, Schhhhhhhh“.

Auf ihren Dreiradeln machten sich unsere beiden Helden auf, den Hasen zu finden, um den Erwachsenen zu zeigen, dass diese eben nicht immer recht hatten.
Und irgendwie wollten sie auch, dass alles wieder so war wie früher, ein edles Ziel, dafür lohnte es sich zu kämpfen!

Es war Ostersonntag und Herr Huber freute sich sehr über das schöne Wetter und war schon voll in den Vorbereitungen  für das Eier suchen im Garten.
 Damit dieses Jahr alles perfekt  wurde, hatte er sich überlegt, seinen Töchtern eine besondere Überraschung zu machen und sich als Osterhase verkleidet in den Büschen rumzutreiben. 
Eben nur solang, dass die Kleinen einen Blick erhaschen konnten.

Es war ein tolles Kostüm - ein braunes Fell, lange Schlappohren und große Hasenfüße machten das ganze perfekt.
So lief Herr Huber vergnügt in seinem Kostüm herum und verteilte Süßigkeiten im Garten.“Das wird ein Hammer Osterfest“ dachte er so bei sich.

Unsere beiden Freunde radelten derweil so durch die Nachbarschaft auf der Suche nach Hinweisen und folgten der nicht zu übersehenden Spur an Eiern in den Gärten.
 Plötzlich sahen sie im Busch vom Herrn Huber etwas, was Ihnen das Blut in den Adern stocken ließ. Der Osterhase!!
Als sie sich wieder beruhigt hatten, war klar, was zu tun war. 

Sie stiegen von ihren Radeln ab und gingen Richtung Gartentor.
Es ging dann alles sehr schnell - der Cowboy  Franzl feuerte zwei Salven mit der Steinschleuder in den Hintern des Hasen, während ihm Dath Vader Anderl die Füße wegzog und der Huber Hase auf dem Gesicht im Busch landete. 
Da er sich noch rührte, verpasste ihm Franzl noch einen mit der Gartenschaufel und schon war Ruhe.
„ Franzl mit hams geschafft, wir haben den Osterhasen gefangengenommen!“ „Stimmt Anderl, aber jetzt müssen wir ihn noch fesseln bevor er wieder aufwacht.“

Da unsere beiden immer gut ausgerüstet in den Krieg zogen, war das kein Problem. Dem Hasen wurde mit Panzertape der Mund zugeklebt, damit er sie nicht beißen konnte und die beiden Läufe wurden ebenfalls mit Klebeband zusammengebunden, sowie natürlich die Flauschigen Hände.

Inzwischen bewegte sich der Hase schon wieder und die beiden überlegten, was sie mit ihrer Beute machen sollten. „ Also wir könnten ihn heuten und als Trophäe zu Hause zeigen, dann müssen uns alle glauben.“
Vom Hasen höre man bei diesen Worten ein „Hmmpffff Neiiiiiin“ , was aber nach einiger Zeit wieder verstummte.
„ Gute Idee Anderl, aber ich denke, es wäre besser, wenn wir folgendes machen………….“

Es war, wie gesagt, ein wunderschöner Ostersonntag und das ganze Dorf war in der Kirche versammelt, um das Osterfest zu feiern. Es wurde, wie jedes Jahr, gesungen und die ganze Gemeinde war in trauter Harmonie zusammen.

Pfarrer Brunner predigte gerade von Vergebung als mit lautem Krachen die Kirchentüren aufschlugen. Alle in der Kirche drehten sofort die Köpfe, doch hätte sie nichts auf das nun folgende Bild vorbereiten können.
Ein Cowboy und Darth Vader fuhren auf ihren Dreirädern den Mittelgang entlang und zogen den hüpfenden Osterhasen hinter sich her.

Es wurde sehr leise in der Kirche und als die beiden am Altar angekommen waren, lief  Franzl zielsicher nach vorn, schnappte sich das Mikrofon und legte los, während Darth Vader mit seinem Lichtschwert den Osterhasen zum Hinknien bewegte.

„Ich bin der Franzl und das ist der Anderl! Unsere Eltern haben uns gesagt, den Osterhasen gibt es nicht! Wie ihr sehen könnt, gibt es den doch und ihr Erwachsenen solltet euch was schämen, uns Kindern so einen  Scheiß zu erzählen. Demnächst erzählt ihr uns noch, es gibt keinen Nikolaus“.

Nach diesen Worten stiegen die beiden cool und gelassen auf ihre Dreiräder und fuhren Richtung Ausgang. Unser Cowboy zwinkerte noch kurz im Vorbeifahren der Resi zu und so ritten Darth Vader und Cowboy Franzl in den Sonnenuntergang.

Und die Moral von der Geschicht:

Erzählt euren Kindern keinen Scheiß und bevor ich es vergesse, Herr Huber bekommt jetzt seit einiger Zeit sehr gute Psychologische Betreuung. Er isst auch schon wieder, leider nur Möhren. Na ja, man kann nicht alles haben.

Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Osterfest!

Euer

Alexander Reiter

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