Sonntag, 11. Dezember 2016

Franzls Weihnachtswunder



Franzls Weihnachtswunder



Es war wieder Weihnachtstag. Der Schnee glitzerte auf den Dächern der Häuser und die Straßen waren fast menschenleer.
Nur Franzl war draußen und ließ sich die Sonne auf die Nase scheinen. Seine Eltern waren zum Einkaufen weggefahren, und um Tante Trude vom Zug abzuholen. Die wie jedes Jahr bei ihnen die Weihnachtstage verlebte.

 Franzl sollte derweil den Schnee aus der Einfahrt wegräumen, was auf den ersten Blick nach einer Menge Arbeit aussah; weswegen er erstmal ein bisserl in der Nachbarschaft spazieren ging.

Den Nikolaus hatte er ja ganz gut überstanden, dachte er so bei sich und war froh, dass dieser ihn nicht in seinem Sack mitgenommen hatte. Aber er hatte sich da schon allerhand anhören müssen von dem alten Typen!

Lausbub und nur Blödsinn im Kopf und noch viel mehr! Der hatte so rumgeschimpft, dass man hätte meinen können, es zerreißt ihn gleich. Und wenn sich das nicht bessern würde, so sagte er, nähme er den Bub im nächsten Jahr einfach mit! „Überhaupt, der hatte eh keine Ahnung; der mit seinem roten Mantel kann sich schleichen, aber echt!“ motzte Franzl still vor sich hin.

Aber der Nikolaus hatte auch was von Nächstenliebe gesagt und dass er, Franzl, schauen sollte, dass er sich auch mal um andere kümmere und nicht nur um sich selbst.

„Was meint der wohl mit Nächstenliebe, der dickwammperte  Oide?" - wie er so nachdachte und durch die verschneite Nachbarschaft streifte, bemerkte er, dass viele der Nachbarn allein in ihren Wohnungen saßen und aus den Fenstern schauten. So wie der Huber von gegenüber, der ihm immer mit dem Besen nachlief, wenn er wieder mit dem Fußball gegen Huber`s Garagentor hämmerte. Oder die Frau Schwabl, die den ganzen Tag ihre Rosen im Garten schnitt - ein Wunder, dass da überhaupt noch was zum Schneiden da war so oft, wie die das machte!

Liebe deinen Nächsten hatte der rotnasige Zipfe gesagt. Mmmhh, des musste es sein... Die Nächsten zu uns san die Nachbarn. Oiso, liebe deine nächste Nachbarschaft!

Jetzt war ihm sofort alles klar und es formte sich ein Plan in seinem Kopf. Dem Nikolaus würde er es zeigen! Der nimmt mich nicht mit in seinem Sack der Viehtreiber, der windige! Dem werden die Augen ausfallen, wenn er sieht, wie brav i bin, dann steck ich den in den Sack!

Schnell lief er durch den Schnee und klingelte an der ersten Tür.
Da stand er jetzt, der Franzl, mit seinem dicken Cristkindlpullover und der Wollmütze mit Rentiergeweih vor der Tür vom Huber.

Er klopfte an und als geöffnet wurde, begann er gleich aus voller Kehle zu singen „Bei mir dahoam ist Weihnacht heut und feiern tun heut alle Leut, so pack dei Zeug und komm schnell mit, denn es gibt Plätzchen, Glühwein und Bisquit“.

So falsch er auch sang, dem Huber traten die Tränen in die Augen und er konnte sich des kleinen Buben mit seiner Rentiermütze nicht erwehren. Schnell schnappte er sich seine dicke Jacke und folgte dem Franzl von Haus zu Haus.

 Nach und nach sammelte Franzl so alle Leute aus der Nachbarschaft ein und als er seiner Meinung nach alle Nächsten" zusammen hatte, lief er mit seiner kleinen Weihnachtsprozession direkt nach Haus. Dort bewirtete er sie mit Plätzchen und Glühwein, trug Mamas vorbereitete Würstel und den Kartoffelsalat ins Wohnzimmer und schaltete die Musik ein.

So sangen sie bald alle zu den Weihnachtsliedern und Herr Huber und Frau Stangl wagten sogar ein Tänzchen miteinander.

Draußen vor dem Haus waren grad Franzls Eltern mit Tante Trude im Gepäck in die Einfahrt gebogen und als sie von außen, sahen was im Haus so vor sich ging, saßen die drei wie versteinert mit offenem Mund im Auto und sagten nur alle gleichzeitig „Oh Gott, Franzl!“

Als sie die Haustüre öffneten kam ihnen als Erstes sofort Frau Schmidt entgegen, fiel allen drei in die Arme und sagte „Frohe Weihnachten und vielen Dank für die Einladung!“ Franzls Vater stammelte nur „Einladung?“ und Frau Schmidt fuhr fort mit „Und dass Sie den Franzl vorbeigeschickt haben uns alle einzuladen, mei, was für ein Engerl Sie da haben. „Ein Engerl? Der Franzl?“ wiederholte der Vater ungläubig. „Ja und wie er uns bewirtet hat, mei all die guten Sachen, oiso das ist für uns alle das schönste Weihnachtsfest seit langem, ein Geschenk des Himmels“; mit diesen Worten drückte Frau Schmidt Franzls Vater nochmal so fest, dass ihm fast die Luft wegblieb.

Tante Trude hatte ihre gesamte Gesichtsfarbe verloren, genauso wie Franzls Mama, die sich ähnliche Lobpreisungen auf den kleinen Lausbuben anhören durften und beide hielten Ausschau nach dem Urheber der ganzen Partygesellschaft.

Dieser kam gerade mit einem Teller Äpfeln und Nüssen aus der Küche die er auf dem Wohnzimmertisch abstellte, sah seine Eltern und rannte mit strahlenden Augen direkt auf sie zu.

„Mama, Papa! Schön, dass ihr endlich da seid! Schee, jetzt können wir mit allen zusammen feiern!“.

Die beiden knieten sich zu ihrem kleinen Bub hinunter und fragten ihn: „Franzl, wie bist du denn auf die Idee gekommen?“. Franzl stemmte die Hände in die Hüfte und begann seinen Plan zu erklären „Der Nikolaus hat gesagt, dass er mich in seinem Sack mitnimmt, wenn ich mich nicht mehr um die Nächstenliebe kümmere. Nur, jetzt kann er mich nicht mehr mitnehmen, denn alle Nächsten sind bei uns dahoam! Aber Leut, ich hab jetzt keine Zeit für Euch, der Kaffee läuft grad durch für den Huber!“.

Mit diesen Worten drehte sich Franzl um und lief zurück in die Küche. Die Eltern schauten sich gegenseitig an und konnten nicht anders als zu schmunzeln, denn seine kindliche Logik war einfach unschlagbar.

Und als sich die Beiden so umschauten und die glücklichen Gesichter sahen und die Freude um sich herum spürten, merkten sie, dass Franzl, wenn auch aus anderen Beweggründen, den Weihnachtsgedanken auf wunderbare Weise umgesetzt hatte; christliche Nächstenliebe, die in unserer Gesellschaft so rar geworden ist.

Als Franzls Vater das begriff, war er unendlich glücklich und eine Träne kullerte ihm über die Wange, die seine Frau liebevoll mit einer kleinen Handbewegung wegwischte „Er ist halt doch ein Engerl unser Franzl“. Tante Trude, die sich in der Zwischenzeit von dem Schock erholt hatte, kam mit einer Flasche Eierlikör und drei Gläsern zu den beiden und meinte, “Kommt, jetzt stoßen wir erst einmal an, der ist auch selbst gemacht“.

So wurde das Weihnachtsfest bei Franzl zum schönsten, dass sie je hatten. Man feierte zusammen und fühlte regelrecht den Geist der Weihnacht, der die Herzen erhellte und Franzl wird wohl nicht in den Sack gesteckt, vorerst jedenfalls nicht.

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Euch Allen eine gesegnete Weihnacht und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017,

mit kulinarischen Grüßen,


Euer Team vom Schlemmerblog Herbert Hörnlein und Alexander Reiter mit unserer Gastbloggerin Nicole Savels.

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