Sonntag, 12. August 2018

Warum Zitronenfalter keine Zitronen falten und Unternehmer oft nichts unternehmen!





Liebe Schlemmerlinge, Freunde und Kollegen,

In den letzten Jahren hat sich unsere Branche grundsätzlich verändert. Der Nachwuchs fehlt an allen Ecken und Enden und ein Lokal nach dem anderen schließt seine Türen für immer.
Speziell auf dem Land ist diese Entwicklung kaum mehr aufzuhalten, ganze Landstriche sind zur kulinarischen Sahelzone verkommen, da die Unternehmer, die hier aufhören, einfach keine Nachfolger mehr finden oder schlichtweg aus Personalmangel aufgeben.

Auf der anderen Seite sehen immer mehr gute Köche ihr Heil als Freelancer, da sie sich als Angestellte einfach nicht mehr geschätzt oder ausgenutzt fühlen.

Doch wie kommt es dazu, dass so viele Köche lieber eigenverantwortlich arbeiten? 
Und so viele Unternehmer scheitern?

Die Gründe für diese Entwicklung sind weit gefächert und jeder Koch wird den ein oder anderen meiner Punkte nachvollziehen können.

Die Zeiten in denen Patron und Koch eine verschworene Einheit waren, sind leider vorbei; wir leben in der Zeit des Mikromanagements, des verlorenen Vertrauens und der Hilflosigkeit.

Einer der Hauptgründe für diese Entwicklung ist der, dass wir es in unserer Branche nie geschafft haben zusammenzuarbeiten. Das beginnt bei den Berufsverbänden.

Die Gewerkschaftsverbände haben nicht genug Mitglieder, um etwas zu bewegen, die Kammern versuchen ihr Bestes um aufzuklären und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, wohingegen die Arbeitgeberverbände sich entschieden haben auch noch die letzten Schutzmechanismen einreißen zu wollen, um ungehindert Mehrarbeit fordern zu können und nicht weiterhin täglich über der zulässigen Höchstarbeitszeit zu liegen. Ausbeutung als Arbeitsmodell, derjenige, der sich das ausgedacht hat, sollte sich was schämen! 

Denn das deutsche Arbeitszeitgesetzt betrifft den Arbeitsschutz aller Arbeitnehmer in Deutschland. Wir wären dann sozusagen nur noch Arbeitnehmer zweiter Klasse, wenn wir das nicht ohnehin schon sind.
Der Schutz des Arbeitnehmers vor Schaden sollte immer Vorrang haben.

Ein weiterer Punkt ist der immer drastischer werdende Sittenverfall bei den Arbeitgebern, die keinen Respekt mehr vor Ihren Arbeitnehmern und deren Qualifikationen haben.

Doch wie äußert sich das?

Viele Unternehmer wissen sich schlichtweg nicht mehr zu helfen, wenden sich aber auch nicht an ihre Arbeitnehmer, die meist ganz genau wissen, wie man das Schiff wieder flott machen könnte, doch oft lange vorher schon resigniert haben, da ihre Hilferufe nicht gehört wurden, ihre Ideen verworfen und ihre Kreativität unerwünscht war.

Tja, Zitronenfalter falten ja auch keine Zitronen und Unternehmer unternehmen oftmals nichts, weil sie gar nicht wissen was!

Doch auf welche Punkte sollte ein Unternehmer dann achten?

Anbei habe ich ein paar Punkte für Sie zusammengefasst, die Ihnen helfen könnten Führungsfehler zu vermeiden.

1.Geben Sie Ihren Mitarbeitern Selbstverantwortung und Freiraum.

Es ist nun einmal so, dass man sich als Unternehmer Fachkräfte holt, die dem Unternehmen helfen, den Arbeitsauftrag so gut wie möglich zu erledigen.

Mitarbeiter mit viel Eigenverantwortung handeln in den meisten Fällen motivierter und fühlen sich dem Unternehmen verbundener.

Wenn Sie dies nicht tun und jeden Schritt überwachen, erreichen Sie nur folgendes:

Früher oder später suchen sich Ihre Mitarbeiter einen neuen Job,
sie selbst sind nur noch mit Mikro Management beschäftigt und haben keine Zeit mehr.
Die Mitarbeiter werden zunehmend lustloser, demotiviert und bekommen das Gefühl, dass sie ihnen nicht vertrauen.

2.Geben Sie Feedback

Ein Mitarbeiter hat eine tolle Idee oder einen Weg gefunden, wie man Arbeitsabläufe verbessern kann? Geben Sie Ihm Feedback!
Bitte und Danke zu sagen tut ihnen nicht weh, die Person fühlt sich geschätzt und am Ende des Tages kann seine Idee ihnen möglicherweise viel Geld einbringen.

Nicht geschimpft ist gelobt ist leider genauso dumm, wie zu glauben, dass ein Unternehmer allein für den Erfolg seiner Firma verantwortlich ist.
Es geht nur im Team!

In einer Welt, in der es leichter ist ein Einhorn zu finden, als einen gut ausgebildeten Koch, sollte Ihnen langsam bewusst werden, dass sie der Mitarbeiter weniger braucht, als sie ihn!

Wenn Sie dies nicht tun passiert folgendes:

Die Angestellten fühlen sich allein gelassen, nicht gehört und nicht geschätzt. Denken Sie immer daran, kein Feedback ist auch ein Feedback, nämlich, dass es Ihnen wurscht ist!

    3.Achten Sie auf die Work-Life Balance

Die Zeit, in der Arbeitnehmer um ihre Jobs fürchten müssen, sind vorbei; Mitarbeiter wollen Ordnung und Privatleben.

Wenn Sie von Ihren Mitarbeitern etwas fordern, das über das normale Maß hinaus geht, denken Sie daran sich zu revanchieren. Menschen arbeiten nicht ausschließlich aus karitativen Gründen oder weil Sie so ein toller Typ sind!

Wenn Sie dies nicht tun, passiert folgendes:

Die Fluktuation steigt dramatisch an. Ihre Mitarbeiter werden krank, körperlich und geistig. Wenn Sie Köche wie Lohnsklaven schuften lassen, 80-100 Std. pro Woche, weil Sie ja sonst niemanden haben, ist dies eine sehr kurzsichtige Lösung und Sie haben es wirklich verdient allein dazustehen.

Wenn Sie Überstunden einfordern, dann ist das durchaus okay, aber dann von allen voran von Ihnen selbst!

  4. Beachten Sie die Träume ihrer Mitarbeiter!

Jeder Mensch hat Träume, will erfolgreich sein im Job, vorankommen oder sich in einem anderen Bereich verwirklichen! Fördern Sie diese Träume, unterstützen Sie ihn, bilden Sie ihn fort und binden Sie ihn somit an das Unternehmen! Ein glücklicher Mitarbeiter wird bei Ihnen bleiben.

Haben Sie Verständnis für persönliche oder private Krisen und helfen Sie ihm! Möglicherweise sind bald Sie derjenige, der eine Krise zu bewältigen hat und brauchen Hilfe von ihm!

Wenn Sie dies nicht machen, sieht es so aus

Oft hört man „Der soll seine Scheiß Arbeit machen und seinen privaten Kram kann er zuhause regeln“  Jeder von uns kennt diesen Ausspruch von irgendeinem Chef, der womöglich zu lange mit dem Kopf an der Heizung geschlafen hat. 

Wenn bei der Arbeit kein Platz für Träume und Emotionen ist, kann kein Erfolg entstehen und die Menschen werden sich von Ihnen abwenden.

     5.Stellen Sie sich Konflikten

Wo Menschen miteinander arbeiten, kommt es zu Konflikten, dies ist unvermeidlich. Es kommt nur darauf an, wie Sie mit diesen umgehen.
Am besten ist es, wenn die Mitarbeiter soviel Vertrauen zu Ihnen haben, dass sie mit ihren Problemen zu Ihnen kommen.

Seien Sie neutral, hören Sie sich beide Seiten an; bleiben Sie objektiv und handeln Sie so früh, wie möglich.
Wenn Sie scheitern, holen Sie sich Hilfe bei einem Coach oder Mediator.

Wenn Sie hier nicht sofort reagieren, passiert dies:

Gute Fachkräfte merken sofort, wenn man ihnen kein Gehör schenkt und werden sofort das Weite suchen.
„Die sind erwachsen und sollen ihren Schmarrn selber lösen“ hört man auch oft.
„Und wenn nicht, wird der schon irgendwie rausgeekelt und dann ist das Problem auch gelöst.“

Es ist klar, was passiert: Sie erschaffen ein Unternehmen des Hauen und Stechens „Survival of the fittest“ und am Ende verlieren nur Sie als Unternehmer.

Vielleicht können diese einfachen Anregungen Ihnen helfen, sich als Unternehmer im Umgang mit ihren Mitarbeitern besser zurechtzufinden; diese als Kapital zu sehen, als Bereicherung und Teil Ihres Lebens. 

Am Ende des Lebens sind wir alle nur Geschichten, nur Sie selbst können dafür sorgen, dass es eine Erfolgsgeschichte wird.

Denn ansonsten wird wohl die düstere Legende unten, die ich Euch heute noch ans Herz legen will, zur Realität:


Ein sehr beeindruckender Mann hat erst kürzlich einen sehr schönen Satz gesagt:

"Es geht nur leicht" im Leben, der Liebe und auch als Unternehmer!

Bleibt begeistert, handelt fair und mit dem Herzen,

für nichts Anderes ist Zeit!

Mit kulinarischen Grüßen,


Sonntag, 1. Juli 2018

Iss alles, ausser gewöhlich!



Liebe Schlemmerlinge,

jetzt ist der Sommer so richtig bei uns angekommen und die Natur zeigt uns auf ihre unvergleichliche Weise einmal mehr ihre außergewöhnliche Pracht.

Ich war heute früh unterwegs und konnte nicht anders, als begeistert sein. In strahlendem Sonnenschein vorbei an mannshohen Maisfeldern, satten grünen Wiesen und auf der Koppel, ein paar Dörfer weiter, fühlten sich die Pferdeln wohl ähnlich, weil sie wie der Blitz spielerisch über die Wiesen liefen.


So schön kann Sommer in München sein, noch einen Cappuccino beim Italiener an der Ecke und wieder zurück nach Hause.

Hier noch ein paar Kirschen vom Baum geholt (ohne runter zufallen), die ich mir genüsslich habe schmecken lassen.
Und inspiriert von all der außergewöhnlichen Pracht da draussen wollte ich natürlich auch a bisserl was besonderes auftischen.
Meine Frau meinte „Mach halt Tomate Mozzarella oder so“.
Naja, Tomate Mozzarella ist ungefähr so kreativ, wie der Deutsche Fußball zur Zeit, also nehm ich das von ihr erwähnte „oder so“.

Italienisch, leicht und sexy soll es sein und alles außer gewöhnlich!
Und so bin ich los zum Gemüsehändler meines Vertrauens und hab mir eine wunderbare kleine Wassermelone gekauft.


Und wo ich schon mal da war, ein paar kleine, feine Tomaten.
Einen schönen Burrata vom Markt und a bisserl Basilikum aus dem Garten und  schon kann´s mit dem Kochen losgehen. (Für Alle, die es interessiert, Burrata ist ein Filata-Käse. Eine Sonderform des Mozzarella, der meist aus Kuhmilch hergestellt wird und traumhaft cremig ist, aber ich lass das jetzt, ich weiß, keiner mag Klugscheisser :-)


Und damit Ihr Euch auch sommerliche Gefühle nach Hause holen könnt, gibt´s jetzt mal das kleine und super einfache Rezept für Euch.
Wassermelone und Burrata mit Kirschtomaten, Olivenöl und altem Balasmico.
Für unser Gericht braucht Ihr folgendes:
Eine kleine süße Wassermelone
Einen Burrata (gibt´s in der Schrannenhalle oder auf dem Viktualienmarkt )
Ein paar Kirschtomaten. Hier achte ich immer darauf, dass es verschiedene sind, die sich sowohl in Geschmack und Aussehen, aber auch in der Farbe unterscheiden und in unserem Fall gut zur Melone passen.
Ich mach das a bisserl absichtlich, denn dann kann ich auf dem Markt viel probieren:-)


Ich hab mich hier für folgende entschieden und bei Tomaten ist es wie bei Äpfeln, die haben echt wilde Namen, sind ja schließlich auch Früchte, die Kleinen.
Die erste Wahl fiel auf eine kleine, recht süße und goldgelbe Cocktailtomaten mit dem schönen Namen Goldita.
Dann eine schöne Black Plum Tomate, die nicht nur schön sondern auch wunderbar aromatisch ist.


Zum Abschluss hab ich noch Datteltomaten mit dem wohlklingenden Namen Cupido eingepackt. Wer sich a bisserl auskennt, Cupido ist der römische Liebesgott. A bisserl Liebe ist also schon mal dabei.


Dann brauchen wir noch gutes Olivenöl, Limettensaft, alten gereiften, etwas dickflüssigen, süßen Balsamico
Und in meinem Fall alles, was ich im Garten noch gefunden habe, ein paar Johannisbeeren geben a bisserl Säure und logisch, Kirschen.


Gemacht ist es denkbar einfach: Wir köpfen erst einmal unsere Melone, machen uns aus dem oberen Teil unsere Melonen Stückerl und höhlen den unteren Teil mit einem Löffel etwas aus, um ihn dann dekorativ anzurichten.


In einer Schüssel mischen wir unsere Tomaten mit den Melonenstückchen zusammen, marinieren alles mit Honig, Zitronensaft und Olivenöl sowie ein bisserl Salz aus der Mühle und etwas schwarzen Pfeffer und füllen dies in die ausgehöhlte Melone. 


Nun das Ganze auf den Teller a bisserl nett anrichten und mit ein wenig Ciabatta servieren.


Das süße Leben, „La dolce Vita“ und des in Bayern und kinderleicht obendrein.


Die Produkte sind der Star dieses wunderbar leichten Essens,
die Natur gibt es uns ja vor.

In diesem Sinne, bleibt´s brav und

Esst alles, ausser gewöhnlich,

Euer
Alexander Reiter


Samstag, 2. Juni 2018

Von Gourmets und literarischen Spezialitäten!



Liebe Schlemmerlinge,
ich beschäftige mich ja seit Jahren mit den Geschichten und Anekdoten zur kulinarischen Entwicklung. Mein Hobby führte mich sehr tief in die Gedanken und Freuden unserer Branche, beschäftigen mich immer wieder und ermahnen mich, meine Arbeit und die Produkte respektvoll im Auge zu behalten und zu hinterfragen.
Einige grundsätzliche Gedanken hierzu würde ich heute gerne mit Euch teilen.
Es gibt wenig auf der Welt, über das so viele Schriftsteller und Philosophen rezitiert haben, als die Speisenfreuden und die Feinschmeckerei, franz. „Gourmandise“.
Der Begriff des Gourmets war zunächst in Frankreich die Bezeichnung eines Feinschmeckers im Sinne eines Weinkenners. Dieser Begriff entwickelte sich aus dem Gourmet-Piqueurs, dem des Wein- und Spirituosenprüfers.
Die Begriffserklärung, die mir allerdings am besten gefällt, stammt aus dem „Almanach des Gourmands“
Gourmand ist, wer mäßig gute Dinge liebt,
Gourmet nur, wer dem allerbesten Wein die Ehre gibt
Wer aber klug und weise, wie ein Philosoph, gleich beides liebt, heißt Gastrosoph.
Das griechische „Gaster“ heißt so viel wie Magen. Die Gastronomie ist die Kenntnis der Tafelkunst, somit ist die Gastrosophie die Weisheit der Tafelfreuden.
Mit folgenden Leitsätzen, Ideen und Philosophien möchte ich Euch nun einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt einiger dieser kulinarischen Vordenker geben.
Beginnen möchte ich mit den Anregungen des „Kaisers der Köche“, August Escoffier (1847-1935), der schon vor rund einem Jahrhundert die Entwicklung der Kochkunst vorhergesagt hat und immer unvergessen bleiben wird. Wenn man bedenkt, wie recht er hatte und wie die heutigen Top Restaurants arbeiten, dann waren diese Aussagen wie ein Blick in die Zukunft.
„Wir werden die Vereinfachung des Anrichtens und des Servierens soweit nur irgend möglich weiterführen, aber gleichzeitig auch die Schmackhaftigkeit und den Nährwert der Gerichte auf die höchste Stufe zu bringen suchen, wobei wir jedoch danach trachten, die Speisen leichter und für den Magen besser verdaulich zu machen. Die Kochkunst muss sich- ohne ihren Charakter als Kunst einzubüßen- zur Wissenschaft erheben und ihre Rezepte, die oft noch zu empirisch sind, einer Methode und Präzision unterwerfen, welche jeden unliebsamen Zufall ausschließt“
Ich finde diese Äusserung hoch interessant, speziell, wenn man davon ausgeht, dass zu Lebzeiten Escoffiers Köche meist nicht mehr waren, als  niederes Dienstpersonal und sich noch niemand Gedanken über Ernährungsumstellungen und einem wissenschaftlichen Ansatz der Kochkunst machte.
Weitermachen möchte ich mit einigen Gedanken einer der schillerndsten Persönlichkeiten der kulinarischen Geschichte: Grimod de la Reynière (1758- 1837).
Aristokrat, Gastrosoph, Literat und ein Zyniker vor dem Herrn. Anbei einige seiner Bemerkungen, welche er auch öffentlich zum Besten gab:
"Die größte Tugend des wahren Feinschmeckers ist die: nie mehr zu essen, als er mit Andacht verdauen und nie mehr zu trinken, als er mit vollem Bewusstsein vertragen kann"
"Der echte Gastronom hat zwei wahre Freunde auf der Welt, sich selbst und seinen Koch".
"Ein anständiger Mensch besucht niemanden während der Tischzeit".
"Die größte Sünde, die ein Feinschmecker anderen gegenüber begehen kann, ist das Laster, diesen den Appetit zu verderben. Appetit ist die Seele des Gourmands und wer diesen zu verleiden sucht, begeht einen moralischen Mord, einen gastronomischen Totschlag und verdient Galeere auf Lebenszeit"
Er hätte wohl gern den ein oder anderen auf eine Galeere geschickt und veröffentlichte deshalb 1808 das „Manuel des Amhytrions“, das Handbuch des gastronomischen Anstands.
Viele seiner Veröffentlichungen gelten noch bis heute und bildeten das Fundament der noch heute geltenden Verhaltensweisen in der Gastronomie.
Die gastronomischen Weisheiten, die wir heute kennen, sind oft älter, als Ihr glaubt. Eine trifft nun gerade jetzt auf mich zu, weswegen ich jetzt auch langsam zum Ende komme:
"Hunger ist der Beste Koch". (Cicero 106v Chr-43vChr)
Wenn Euch mein kleiner Beitrag heute gefallen hat, freue ich mich.
Wenn nicht, schließe ich heute frei mit einigen Zeilen aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauß:
Ja- das Schreiben und das Lesen ist nie mein Fall gewesen, doch schon von Kindesbeinen an befasst ich mich mit Kochen!
Mein Ideal und Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck:-))
In diesem Sinne,
genießt jeden Moment!

Mit kulinarischen Grüßen,

euer

Donnerstag, 10. Mai 2018

Lebensmittel, die scharf und gamsig machen - ein nicht ganz ernst gemeinter Selbstversuch!



Dass Lebensmittel eine gewisse Erotik ausstrahlen, ist wohl unbestritten! Okay zugegeben, Erdbeeren mit Schokolade wohl ein bisserl mehr als eine Leberkässemmel :-)
Na ja, wenns´d an Handwerker fragst, findet der vielleicht sein Glück beim ersten Biss in seine Brotzeit und wenn´s a guader Leberkäs ist, dann ist das durchaus verständlich.

Doch da gibt’s auch Unterschiede, denn manchen Lebensmitteln werden ja tatsächlich aphrodisierende Eigenschaften zugeschrieben. Für alle die unter Euch, die mit der Aphrodite nix anfangen können... ich meine Lebensmittel, die gamsig machen, wie der Bayer sagt, oder "scharf" oder in Feindeutsch, die die Libido anregen.


Kurzum, Lebensmittel, die uns so richtig heiß machen.

Aber ist da wirklich was dran oder ist das alles Schmarrn von einsamen Hausfrauen, die auf der Suche nach dem Wundermittel sind, um wieder Schwung in die Kiste zu bringen?

Und da ich auf meiner Suche hierzu höchst widersprüchliche Aussagen erhalten habe, schreit des förmlich nach einem Selbstversuch.

Wer mich kennt, weiß, dass mich eigentlich jedes Lebensmittel in Verzückung versetzt, aber ich werde mal schauen, ob da auch was an prickelnder Erotik und Gefühlen rüberkommt.

Als nichtsahnender Proband und sozusagen zweite Kontrollgruppe zu meinen eigenen Erfahrungen dient mir für meine Studie meine Frau Nicole.

Angefangen hab ich mit den Erdbeeren.


Die Erdbeere gilt seit der Antike als Zeichen der Fruchtbarkeit. Schon mal ein guter Anfang! Ihr Aussehen und ihr Duft wirken bereits auf unsere Sinne.

Erdbeeren haben die Eigenschaft, direkt auf unsere Nervensystem zu wirken, sprich, sie stimulieren unsere endokrinen Drüsen, die übrigens auch für die Ausschüttung von Sexualhormonen verantwortlich sind. Klingt schon mal gut, oiso Test eins - Action.

Meine Frau fand es toll, als ich ihr täglich Erdbeeren auf den Tisch gestellt hab, mal mit Zucker, dann mit Mascarpone und einmal flambiert mit Masaschino.

Sie war da schon sichtlich angetan und wenn es schön präsentiert ist, kommt da schon was rüber. Ich hab irgendwie keine Veränderung gespürt, außer bei der Erdbeertorte von meiner Frau, ich glaub, da war ich verliebt. 

Irgendwann hab ich den Versuch dann abgebrochen, denn auch, wenn sie wahnsinnig guad sind, wenn deine Frau fragt „Hast was angestellt, weil du mir schokolierte Erdbeeren machst?“, sollte man es lassen, bevor sie merkt, dass sie ein Versuchskaninchen ist.

Ich denke, bei Erdbeeren ist es die Kombination von Duft, Geschmack und Aussehen, gepaart mit der richtigen Location und vielleicht einem kleinen Glas Champagner. Da kann dann schon Erotik aufkommen und wer kann sich nicht an diese Szene in 9 ½ Wochen vor dem Kühlschrank erinnern?
Mein Fazit bei den Erdbeeren? Das ist wirklich ein erotisches Lebensmittel!

Der nächste Test war recht schnell vorbei: Es ging um Austern.
Am Viktualienmarkt rein ins Fischgeschäft, sechs Austern und ein, zwei Glaserl' Prosecco.

Die Austern kurbeln die Testosteronproduktion an und schon der alte Casanova hat sich damit fit gehalten. Der hohe Zinkgehalt ist hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Auster als eines der aphrodisierendsten Lebensmittel gilt.

Ich bin zwar nicht Casanova, aber immer rein mit den Dingern... Meine Frau war nach einer bedient und fragte nur, ob ich jetzt langsam ne Midlife Crisis bekomme, weil ich jetzt anfange, Austern zu essen.

Kurz und gut, ich weiß nicht, ob Austern erotisch wirken. Zumindest nicht bei mir und bei meiner Frau erst recht nicht.


Nun gut, dann weiter mit Test Nr. 3, der schon eine etwas heißere Geschichte war, die Chilis!

Chilis machen scharf; das ist jedem klar, der schon mal in eine rein gebissen hat. Chili hat nämlich einiges zu bieten, es setzt Glückshormone frei und wirkt blutfüllend in den... naja Ihr wisst schon... den speziellen Regionen.

Mein Test war eine echt scharfe Sache. Ich hab mir jeden Tag, über einen Zeitraum von zwei Wochen, eine Chili gegönnt, ohne Kerne versteht sich.

Die Ergebnisse waren zumindest bei mir echt gut. Ich fühlte mich sehr energetisch, positiv aufgeladen und ja, a bisserl scharf!

Meiner Frau hab ich den Chili in Curry und Wokgerichten vorgesetzt mit einer, leider etwas anderen Reaktion „Himmel ist des scharf! Spinnst du, da krieg ich ja Wallungen!“

Welche Art von Wallungen konnte ich nicht raus finden, es waren aber nicht die gewünschten... Bei mir macht die Chili mit seinem Ruf als echtem Scharfmacher aber alle Ehre!


Der nächste Selbstversuch war eigentlich keine echte Umstellung zu meiner normalen Ernährung. Die Schokolade!

Jeden Tag ein bisschen Schokolade gibt´s bei mir schon irgendwie immer. Allein der darin enthaltene hirneigene Botenstoff Phenylethylamin löst bei uns im Körper einen verliebtheitsähnlichen Zustand aus.

Das erklärt einiges, bin seit Jahren von Glückshormonen überflutet!
Okay, funktioniert in allen Lebenslagen, Schokolade ist hier wohl unschlagbar.  Aber sehr zu beachten, wenn Ihr diese flüssig über eure Liebste träufelt, sollte die Schokolade nicht kochen!  :-)

Dann lieber schnell weiter, dieses Lebensmittel ist schon ein bisserl spezieller und weniger schmerzhaft, die Vanille.

Hier ist es für mich mehr der Duft, der mich echt anmacht, wenn ich das so sagen darf. Das liegt an den Lust machenden Pheromonen, die in der Vanille enthalten sind. Ist auch in der Industrie sehr beliebt, weil der Vanillegeruch uns alle anspricht.
Ich komm daran jedenfalls nicht vorbei und meine Frau genauso wenig. Natürlich verzaubert uns auch der Geschmack, der einfach einzigartig ist. Also Vanille ist definitiv ein Lustbringer.




Soweit so gut, Artischocken und Avocados sind noch zu erwähnen, denen auch a bisserl was nachgesagt wird, aber die bei mir mal so gar nichts auslösen. 

Klar gibt´s noch viel mehr, aber es ist wie bereits gesagt, alles relativ. Wenn Euch beispielsweise süßer Senf heiß macht, 
so be it :-)

Aber mal zurück zu unserem höchst wissenschaftlichen Test. Meiner Meinung nach ist da schon etwas dran, allerdings ist es meist eine Kombination aus Geschmack, Inhaltsstoffen und Geruch, der bei uns eine gewisse Stimulation hervorruft.

Wenn man diese Lebensmittel miteinander kombiniert in einem Menü serviert, im richtigen Ambiente, mit dem richtigen Gegenüber, dann ist, denk ich, alles möglich.

Pure Erotik gebacken von Nicole,läuft bei uns:-)

Aber da ich es mir nicht verkneifen kann... Wir Köche werden ja gerne in der Presse als besonders gute Liebhaber angepriesen. Das liegt dann wohl daran, dass wir den ganzen Tag von den Scharfmachern kosten.

Was das heißt, ist klar Lady's! Wir Köche sind einfach unwiderstehlich.

Also verführt und betört was das Zeug hält!

Euer
Alexander Reiter


Sonntag, 29. April 2018

Eine Liebeserklärung an die tollsten Menschen der Welt, Köche!



Wie wunderbar ist doch der Koch.
So einzigartig und verrückt, so leidensfähig und entzückt.
So kreativ und engagiert. Meist im Hintergrund und doch der Star. 
Manchmal laut und manchmal leise. Manchmal genial und immer fleißig.




Im eigenen Universum lebend und  doch mittendrin, strebt der Koch in seinem Sinn nach Neuem und nach Altem, nach Feinem und Deftigem, nach Frischem und Gereiftem.
Und immer im Blick - des Gastes Glück.



Nach Sternen strebend und doch meist im Schatten lebend. Auf der Suche nach Geschmack , der dem Gaumen Freude macht. Nach  Anerkennung ringend, doch meist unterschätzt.
Und doch immer füreinander da, in der Gemeinschaft einfach unschlagbar.



Wer will bewerten solch Geschmack? Wer will bewerten Herz und Seele? Wer will hier der Richter sein, im täglich neuen Kampf der Genüsse.
Jeden Tag  beweist er sich und seine Kunst und findet doch die Zeit für Liebe und Zweisamkeit.
Doch wo das Licht auch Schatten ist, lachend und weinend, müde und doch wach, manchmal allein und doch immer motiviert. Beleidigt, erniedrigt  und doch unentbehrlich.



Und trotz allem, überzeugt, begeistert und vom Kochen gefesselt.
Von großen Meistern inspiriert, an der Wissenschaft noch interessiert, strebend nach dem großen Glück.
Die eigenen Ziele fest im Blick, um zu erschaffen, zu begeistern, zu veredeln und zu sein das Beste, was ihm möglich ist:
Ein Koch mit Leib und Seele.
Mit Hochachtung an alle Kollegen, Ihr seid´s einfach a Traum!
Euer
Alexander Reiter

www.alexanderreiter.de

www.schlemmerblog-muenchen.de



Samstag, 14. April 2018

So backt man sich Frühlingsgefühle, Spargelgugelhupf mit Hollandaise!


Liebe Schlemmerlinge,

endlich ist er so richtig da, der Frühling! Kein Matsch und Schnee mehr, in der Natur beginnt langsam alles zu blühen, die Tage werden wieder länger und die Sonne lässt auch in uns die Gefühle wieder erwachen. 



Die Frühlingsgefühle! 



Bei mir schaut des folgendermaßen aus! Ich verwöhne dann meine Frau mit meinem ganz persönlichen Frühlingsschmankerl, einem Spargel Bärlauch Gugelhupf mit Sauce Hollandaise
und damit auch bei Euch daheim der Frühling einzieht, zeig ich Euch heute mal wie man seine Angebetete so richtig kulinarisch verzaubert.



Das Rezept ist wie immer kinderleicht und sollte es mal nicht klappen, einfach bei mir melden, ich kümmer mich dann um alles.... nein, nicht um Eure Frau, um den Gugelhupf!

Folgende Zutaten brauchen wir für unseren Gugelhupf:


300g Spargel 
280g Knödelbrot
200ml Milch
  30g Bärlauch
    4 Eier
  100g Schinken
    40g Butter
    und a bisserl Mehl für die Form
Bergsalz und Pfeffer aus der Mühle.


Dazu gibt`s eine Hollandaise und wie man die macht, hab ich Euch ja schon gezeigt, da folgt Ihr einfach dem Link, dann klappt des a:


Aber los geht`s:

Zuerst einmal schälen und kochen wir unseren Spargel und lassen ihn im Fond a bisserl abkühlen. Für die unter Euch, die beim Spargelkochen noch nicht so fit sind, Ihr findet auch hierzu nochmal eine kloane Anleitung unter folgendem Link:




Wenn wir den Spargel fertig haben, kann`s aber echt losgehen.



Das Knödelbrot in eine Schüssel geben und mit der Milch übergießen. Die Eier trennen und die Eigelbe dazugeben, den fein gewürfelten Schinken, die Spargelstückerl dazu und unseren wunderbar aromatischen Bärlauch, den wir in schöne feine Streifen geschnitten haben.
A bisserl würzen und anschließend vermengen.


Jetzt schlagen wir unser Eiweiß schaumig und heben es unter unsere Gugelhupfmasse.

Das Ganze nun in eine gut gebutterte und mehlierte Gugelhupfform geben und bei 160°C im Ofen für 35-40 Minuten backen.



Jetzt, meine Lieben, während Euer Frühlingsschmankerl wunderbar im Backofen aufbäckt, könntet Ihr ja schon einmal den Prosecco aus dem Kühlschrank holen und Eurer Holden zur Einstimmung ein Glaserl einschenken.



Dann deckt´s Ihr noch schnell den Tisch und ein paar Blümchen wären auch nicht schlecht.

Und wenn es langsam in der Küche beginnt zu duften, nach unserem kleinen Frühlingsgericht, dann habt Ihr alles richtig gemacht.



Wenn Ihr den Gugelhupf aus dem Ofen nehmt, lasst ihn bitte noch ca. 10 Minuten auskühlen, dann geht er leichter zum Stürzen.

Und dann heißt es auch schon, schlemmen und genießen!


Und wenn Ihr dann so ein Schmankerl auftischt und Eurer Angebeteten tief in die Augen schaut, ich versprech Euch, dann habt´s Ihr auch ganz schnell Frühlingsgefühle:-)

Lasst´s Euch schmecken und genießt die ersten warmen Tage,

Euer

Alexander Reiter




Sonntag, 4. März 2018

Mein Power Frühstück! Super Bowl nicht nur in der NFL!


Speziell jetzt in der Fastenzeit und bei der sibirischen Kälte da draußen, brauchen wir ja besonders viele Vitamine und Abwehrkräfte.

Draußen ist es immer noch recht dunkel und kalt, in der S-Bahn schnieft und hüstelt sowieso jeder und wie soll man 
denn da gesund und vital bleiben?

Da kann ich Euch vielleicht helfen!

Meine Frau und ich starten jetzt jeden Tag mit 
einem Super Fruit Bowl in den Tag!

Da reißt´s Dir die Augendeckel auf, sag ich Dir!

Und das Beste ist, es ist auch noch gesund!!!

Nach meinem selbstauferlegten Verzicht von Leberkässemmel und Co. ein echter Lichtstrahl am Horizont meiner Fastenzeit.



Und so ein  Super Smoothie Fruit Bowl, der ist leicht gemacht.

Als Grundlage dienen hier Früchte mit geringem Saftanteil, damit Deine Bowl schön dickflüssig bleibt.

Ansonsten geht alles, was gesund ist und schmeckt.

In meinem Fall immer viele Beeren, Himbeeren,
Blaubeeren, Eisbären usw.

Körner und Samen sind eh in aller Munde, also ein bisserl Chiasamen oder andere Kernderl dazu, 
die geben noch ein bisserl Biss.

Des Weiteren verwende ich immer etwas getrocknete Früchte. Kokos zum Beispiel, kann ich nicht widerstehen, 
aber auch hier gilt, alles was Euch Freude macht, geht.

Meine Frau vollendet gerne noch mit einem Löffelchen Naturjoghurt, bei mir sind es eher die Gojibeeren.

Aber was nicht fehlen darf, sind Haferflocken oder einfach Euer Lieblingsmüsli (das natürlich eh, hoffentlich, ungesüßt ist:-))

Frische Minze wäre auch noch was 
oder Acai, Granatapfelkerne oder einfach Granola.

Ihr seht, da geht so einiges und ich sag Euch,
 bei mir auch, seid ich so frühstücke.

Ich fühl mich auf alle Fälle echt toll, seid ich am Morgen statt Wurstsemmel den Früchte Turbo anschmeiß.



Vielleicht nehm ich ja auch noch a bisserl ab, scheee wärs ja :-)

Ich wünsch Euch einen schönen Start in den Frühling, 
wenn er dann mal kommt 

und wünsche Euch viel Spaß mit dem Video.

Euer 

Alexander Reiter




Sonntag, 4. Februar 2018

Braukunst Live! 2018! Bier ist mehr als nur Wasser, Hopfen, Malz...

Traditionell ist ja immer eine Woche nach der Finest Spirits die Braukunst Live! vom selben Veranstalter, Frank Böer. Wie immer mit Leidenschaft und der Hilfe der tollen Crew von Storykitchen perfekt organisiert.

Prolog:
Bier wird immer noch belächelt und unterschätzt. 
Man stelle sich eine gut gekleidete Dame in einem stylischen Getränkemarkt vor, die fragt: Was für ein Bier können Sie mir als Geschenk für einen 50jährigen empfehlen? Er isst gern Rind und bevorzugt eher robuste, gut ausgeprägte Aromen in seinen Getränken... Bei Wein völlig normal, aber bei Bier? Das wird sich ändern, denkt an meine Worte :-) 


Malerisch - Das MVG-Museum bei Nacht
Nachdem meine beiden sonst so treuen Expeditionsbegleiter Stephan und Alex dieses Mal geschwächelt haben, musste ich mich allein auf den gefährlichen Weg zum MVG Museum machen – aber es hat sich definitiv wieder mal gelohnt!

Als Münchner Schlemmeronkel liegt mein Hauptaugenmerk ja nun mal nicht auf den tollen IPA’s* und Crafts* aus aller Welt, auch wenn sie mich alle sehr beeindruckt haben und definitiv alleine schon einen Blog wert sind.



Nein, wie immer war ich auf der Suche nach regionalen, um nicht zu sagen lokalen Spezialitäten. Und das, was ich da wieder alles entdeckt habe… sensationell, meine Lieben!


Aber von Vorn…

Presseansprache durch Frank Böer
Nach der üblichen Begrüßung durch Frank Böer zogen wir (die versammelte Blogger- und Journalistenschar) im Pulk durch die Halle und tranken uns durch mancherlei unterschiedliche Biere...

Jonas Seidl, Kondrauer und  Hopster
...und eine Hopfenlimo von Hopster (lecker, im Ernst! Und nur halb so viel Zucker).

Immer mit Frank Böers Spruch im Hinterkopf nachhallend:

„Liebe Leute, da ihr ja zum recherchieren hier UND professionell seid, müsst ihr die Gläser nicht austrinken.“



Vorstellung Hallodri, Hofbräu
OH NEIN! möchte man da ausrufen… Falsch, lieber Frank J bei den vielen hervorragenden Bieren wär es definitiv unprofessionell gewesen, die (eh‘ spärlich eingeschenkten) Probiergläser nicht auszutrinken.

Und bei manchem Glas hätte definitiv auch noch ein Nachschlag geschmeckt.

Zum Beispiel beim "Leinenkugels Hallodri" vom Hofbräuhaus… Ja, der heisst wirklich so, und ja, der schmeckt auch so. Ein Craftbier mit toller Geschichte vom Großbrauer. Nur auf den ersten Blick erstaunlich, denn viele kleine Brauereien rund um die Welt gehören dazu…


Eine besondere Ecke, als „The Lab“ bezeichnet, gibt 5 Brauern eine Chance, deren Kasse eine Ausstellungsteilnahme eigentlich nicht hergibt. Bild hab ich keins. Die Stände waren derart belagert, dass man eh nur Hinterköpfe gesehen hätte! Herzlichen Dank, lieber Frank Böer, da merkt man die Leidenschaft für’s Thema!

Nach dem Presserundgang, der lecker und locker in „The Lab“ endete, wurden wir in die freie Wildbahn des MVG Museums entlassen und ich pirschte mich unauffällig, jede alte Trambahn als Deckung ausnutzend, an die Beute an.

Eine Menge spannender Biere für Mutige und Durstige hab ich –stellvertretend  für Euch- probiert und war in den Gesprächen wie immer von der Leidenschaft der Brauer mehr als beeindruckt.

Gurken Gose! Oha! Probieren!
Zum Beispiel hab ich das Gurkenbier von der Braumanufaktur Hertl probiert! Mir persönlich war das Bier ein wenig zu … gurkig und salzig, aber die anderen Biere waren dafür schön zu trinken und rund im Geschmack.

Erstaunlich war zum Beispiel der "Bourbon King", ein 6 Monate im Bourbonfass gereifter Whiskydoppelbock. Zum Hinknien - nicht nur wegen der 11 % Volumen-Alkohol.

Der Seniorchef hatte viele Anekdoten auf Lager. Einen World Beer Award haben sie auch schon gewonnen. Die kleinste Brauerei Frankens ist definitiv einen Besuch wert und man kann sogar ein Brau-Seminar mit toller Verpflegung buchen.


Ich habe Euch ja einige lokale „Geheimtipps“ versprochen, und die kommen jetzt zum Schluss. Denn da kommt bekanntlich das Beste!

die sympathischere Mafia gibt's hier!
Es wurde schwarz, stylisch, dunkel… und ich stand bei der „Munich Brew Mafia“. Die Jungs haben viel Ahnung von Bier. Das schmeckt man.

Probiert hab ich hier das sehr frische „Don Limone“ und das „Habemus Cervesiam“… Heiliger Rauch! So "smokey" und trotzdem so ausgewogen! Beim Finish schmeckt man einen halben „Früchte-Fresskorb“ Feige, Dattel, Zwetschge und mehr.


Olchinger Braumanufaktur!
Danach hat mich die Besucherwelle durch den Gang genau bis zur Olchinger Braumanufaktur gespült, die übrigens sehr malerisch im Gut Grasslfing bei Olching sitzt und hervorragendes und süffiges Bier braut.

Julian Langosch, stilecht in der kurzen Lederhosn und mit Wadlstrümpf' hat mir so viele interessante Details erzählt, dass ich nächstens unbedingt mal vorbeischauen und drüber berichten muss. Ist ja für mich fast um die Ecke.

Am Stand brummte es so sehr, dass ich praktisch nur eine Sonderabfüllung probieren konnte, nämlich „Nie Bier“...



Der Himmel der Käseliebhaber!
Langsam meldete sich auch der Hunger und ich musste dringend was essen. Meine Wahl fiel wieder mal auf einen sensationellen Kasnocken-Burger vom Tölzer Kasladen. Lecker und macht satt.

Im Stand direkt daneben gibt es Südtiroler Spezialitäten, da habe ich auch in den vergangenen Jahren des öfteren einen Kurzurlaub eingelegt. Immer großartig - vor allem der Humor der Standlbetreiber, die immer einen Spruch drauf haben,  macht gute Laune.

Das gilt im Übrigen wirklich für alle Beteiligten. Für Aussteller, Mitarbeiter, Besucher... 


Und zu guter Letzt hat es mich zur Ninja verschlagen.

Brauer Julian, Wirtin Ninjaund Schichtleiterin Danielle
Nein, wir sprechen hier nicht von fernöstlicher Kampfkunst – sondern von bayerischer Braukunst und der angeborenen Kunst des Gastgebens. Ninja Höfler ist eine von 2 Geschäftsführerinnen beim Schiller Bräu.

Zuerst dachte ich ja, beim Schiller Bräu, da gibt’s nur Bier.

Weit gefehlt! Der Schiller Bräu ist AUCH ein echtes bayerisches Wirtshaus. Traditionsbewusst aber modern eingerichtet, mit Gästezimmern UND eigener Brauerei. Vom Braukeller zum Zapfhahn sozusagen... 💘 Wie zu Zeiten vom königlich bayerischen Amtsgericht... In der Schillerstraß' 23 mitten in München zwischen Stachus und Theresienwiesn!

Nein, der steht nicht auf dem Stuhl...
Ninja hat mich aus dem Besucherstrom gefischt mit den Worten: „Servus, mogst a Bier?“  Natürlich eine rein rethorische Frage!

Mir war schnell klar, diese Frau ist eine geborene Gastgeberin mit Ahnung vom Fach.

Demnächst werd ich unbedingt hinfahren müssen, um nach der obligatorischen Brauereiführung  mit Bier-Diplom den „damischen Ochs“ von der Speiskartn zu probieren. Net nur, weil er halt einfach gut zu mir passt... Mit bayerisch Kraut, hausgemachte Bierkrapfen und einem Glasl Scheps* oder einem Weißbier. Danach einen warmen Apfelstrudel auf Dunkelbier-Schokoladensoß‘… Ich bitte für die Schwärmerei um Entschuldigung, aber hach... 😋

An dieser Stelle will, muss und möchte ich mich bei allen Ausstellern entschuldigen, die ich nicht mehr besuchen konnte um drüber zu schreiben, aber bei 98 Ständen würde der Blog noch länger, als er eh schon ist. Und ich vorher umfallen! Nächstes Mal komm ich vorbei!

Ah, ja… bevor die Nachfragen kommen von denjenigen unter Euch, die noch nicht so firm sind in der hippen Craftbier-Szene:

„IPA“ ist die Abkürzung für India Pale Ale. Bitte ohne „n“ hinter India. Immer mindestens doppelt gehopft oder sogar gestopft und mit vielerlei unterschiedlichen Geschmäckern. Sehr deutlicher Hopfengeruch und Geschmack. Soll im 19. Jahrhundert in England/Schottland für die Kronkolonien in Indien gebraut worden sein. Historisch eher dürftig belegt.

„Craft“ Bier wird üblicherweise von unabhängigen Brauern handwerklich erzeugt (craft = Handwerk). Also nix industrielles, deshalb sehr individuell, sehr hip, Nix für "Bier-aus-der-Plastikflasche-Trinker" Zumindest vom Preis. Ein Trend aus den USA der mir besser gefällt, als die meisten anderen Trends, die derzeit so rüberschwappen…

"Scheps" ist ein früher sehr beliebtes Dünnbier gewesen. Ungefiltert und mit geringem Alkoholgehalt. Die Leut sollten ja auf'm Feld arbeiten und net singen :-)

Also, ich kann einen Besuch auf der Braukunst Live! 2018 einfach jedem empfehlen, der nicht hingeht, um sich zu betrinken, sondern der sich von der Vielfalt des Bieres und der Leidenschaft seiner Brauer verzaubern lassen möchte, und neues Wissen mit nach Hause bringen will.

Und noch was: Selbst wenn ihr professionell seid und nicht jedes Glas austrinkt... Fahrt's nicht mit dem Auto, das MVG-Museum ist gut öffentlich zu erreichen... 

Hopfige Grüße

Euer Schlemmeronkel Herbert