Freitag, 2. Februar 2018

Von der jüngeren Schwester der Müllerin oder alles bloß keine Fischstäbchen!



Wenn man einen Blick auf die meisten Wirtshaus-Speisenkarten wirft, fällt auf, dass wir Bajuwaren wohl nie die großen Fischesser sein werden.
Wir sind halt so mehr die „Eingefleischten“, wenn ich so sagen darf.


Wenn man zehn Männer fragen würde was sie anstatt Fleisch essen würden, wären die Ergebnisse ungefähr so:
Sechs Männer würden antworten „Wenns koa Fleisch gibt, dann iss i hoid a Wurst!“
Drei würden fragen „Is meiner Frau was passiert?“
Und von einem käme mit Panik in den Augen „Jetzt geh ma alle drauf!“.
So oder so ähnlich würde das wahrscheinlich ablaufen; unsere Frauen aber sind da anders, sie essen auch gerne mal Fisch, nur meist heißt das für sie freitags, Backfisch mit Kartoffelsalat und Remoulade.
Oder auch sehr beliebt und eine der einzigen Fischerfahrungen der heutigen Jugend: die Fischstäbchen.

Hier wächst inzwischen eine ganze Generation heran, die mit Fisch nur etwas paniertes, rechteckiges verbindet und wohl den Fischburger beim goldenen M.

Man kann dem Kapitän nur gratulieren, die Gehirnwäsche ist fast nahtlos gelungen, aber Kinder, lasst Euch sagen, ich war erst kürzlich tauchen und da ist kein einziger Schwarm Fischstäbchen an mir vorbeigezogen, während ich da unten war. Nix!
Fische sehen anderes aus und sind nicht rechteckig! Nicht einer!
Und man kann Fisch auch essen ohne ihn zu panieren oder vorher in Backteig zu ersäufen. Kein Scheiß!!

Aber zurück zum Thema.
Unsere Fixierung auf Fleisch kennt eigentlich nur zwei Ausnahmen: Aschermittwoch und Karfreitag.
Da werden dann im ganzen Bayernland Fischkarten geschrieben und man findet neben den üblichen Verdächtigen, wie Backfisch und Co, meist noch ein Lachsfilet und hie und da auch ein paar schöne Kreationen.
Und mal Hand auf´s Herz, bei vielen sind das die einzigen Fischgerichte im Jahr!

In Bayern ist inzwischen jeden Tag Sonntag, es gibt immer Braten und Fleisch und wenn mal nicht, gibt’s halt Käsespätzle.
Wir haben uns in diesem Punkt erstaunlich wenig weiterentwickelt. Wir essen noch genauso, wie die Holzhacker seinerzeit und arbeiten körperlich aber immer weniger.
Tja, was kann man denn da tun?

Gott sein Dank achten immer mehr junge Menschen auf ihre Ernährung, leben fit und bewusst, treiben viel Sport und rauchen weniger.
Aber diese hippe, fitte Generation wird nicht im Wirtshaus einkehren, wenn wir es nicht schaffen, etwas genauso Cooles, Hippes und Gesundes auf den Tisch zu bringen.
Und als kleines Beispiel, wie so etwas aussehen kann und trotzdem regional und bayrisch rüberkommt, hab ich mal a bisserl was für Euch gekocht und versprochen, das könnt Ihr daheim auch und es ist gar nicht schwer.


Ich zeig Euch heute mal Schritt für Schritt, wie man die heiße Schwester von der Müllerin macht, nämlich eine gefüllte Forelle und wie Ihr Euch daheim die schönste Forelle braten könnt.

Als Erstes brauchen wir eine schöne Forelle, in meinem Fall aus dem Königssee, die wir ausnehmen, waschen und die Kiemen entfernen.


Anschließend schneiden wir die kleinen Flossen ab, bis auf die Hintere, die lassen wir dran.
Nun schneiden wir vom Kopf zum Schwanz mit einem Messer entlang der Rückengräte.


Wenn wir diese freigelegt haben, können wir die Rückengräte durchschneiden, das geht am Besten mit einer Fischschere.

Nun entfernen wir noch die restlichen Gräten, bis wir einen komplett grätenfreien Fisch vor uns liegen haben. Dann noch ein Spritzer Zitrone und a bisserl Bergsalz



Füllen können wir unsere scheene Forelle jetzt je nach Gusto. Ich hab mir ein Sellerie-Kartoffelpüree gemacht mit etwas Sauerrahm, aber Ihr könnt das gerne nach Lust und Laune füllen, z. B. mit Spinat oder einer Tomaten-Olivenmischung.


Anschließend geht unsere Forelle für einige Minuten in den Ofen, ein bisserl Fenchel, Petersilienwurzel und Weißwein dazu. Der Wein muss natürlich vorher intensivst auf seinen Geschmack getestet werden, ein Schluck für die Forelle, zwei für Euch. Und  dann sind wir eigentlich schon fertig.

Klar, man kann des jetzt ein Kleinwenig schön anrichten, kommt immer gut und fertig ist das besondere Fischschmankerl.

Unser zweites Gericht ist noch a bisserl einfacher. Hier entfernen wir lediglich die Flossen der ausgenommenen und gewaschenen Forelle und schneiden diese an der Haut ein.



Anschließend braten wir diese in Butter goldbraun fertig.


Oiso, Ihr Fleischpflanzerl-Junkies, Schnitzel Fanatiker und Schweinebraten Jünger da draußen, ich versteh Euch ja, doch gebt´s dem Fisch auch ab und zu eine Chance.

Oder Ihr geht´s selber Angeln, so wie ich, „ Mein Kampf mitdem Seemonster“  war schon eine Erfahrung für mich.


Doch egal was Ihr tut, habt Spaß am Kochen und verführts Eure Lieben, das geht auch mit einem Fisch, versprochen. Bei meiner Frau hats auf jeden Fall funktioniert. 

Bleibt´s brav und genießt den Beginn der Fastenzeit,

Euer Alexander Reiter