Sonntag, 5. Dezember 2021

Nikolaus kocht…der Elfenaufstand!

 

Die schönste Zeit des Jahres war angebrochen und die Wälder und Berge waren sanft vom Schnee umhüllt, der in den Strahlen der Sonne glänzte.

Soweit das Auge reichte, wirkte die Landschaft friedlich und auf eine besondere Art magisch zugleich.

Eine besondere Stimmung war spürbar, die etwas Göttliches innehatte und sich durch die ganze wundervolle Berglandschaft bis hin zum Haus von Nikolaus zog.

Dieser richtete sich gerade wenig weihnachtlich seine Hosenträger vor dem Haus zurecht und begrüßte die Tiere des Waldes, denen er etwas Futter zubereitet hatte.

Karotten für Frau Hase, ein paar gemischte Körner für die Vögerl und ein bisserl Heu für die Rehe und Hirschen.

Rudolf war da anders drauf, er begann seinen Tag bereits mit einem Marmeladenbrot und einem österreichischen Energydrink, was er mit seinem harten Job als Zugtier begründete, von Nikolaus aber eher nicht gerne gesehen war.

Die Elfen frühstückten gar nicht, tranken aber einen Kaffee nach dem anderen, immer im Stress und unter Strom, weil allen Kindern der Welt Geschenke zu machen, war nun mal kein Kinderspiel.

Manche von ihnen sahen daher auch aus, wie aus der Schattenwelt entsprungen, mit tiefen Augenringen und einer Stimmung, die zum Fürchten war.

Dem Krampus gefiel natürlich dieser neue Look der Elfen. Er nannte es Höllenschick und erklärte Nikolaus, dass das jetzt der letzte Schrei wäre, da wo er herkäme.

Als Nikolaus so seinen Tee und seine Tageszeitung genoss, den Weihnachtsexpress, entdeckte er einen Artikel „Sind auch Ihre Elfen gestresst und übelgelaunt? Hat Ihr Rentier Diabetes und sieht Ihr Krampus höllisch aus?

Dann kann eine gute ausgewogene Ernährung helfen, denn in einem Gesunden Körper wohnt ein gesunder Weihnachtself, Rentier und Co!“

Nikolaus schaute sich so um und erkannte, dass das genau auf seinen Zucker- und Koffeinsüchtigen Haufen hier zutraf und so entschloss er sich kurzerhand, Allen ein gesundes Essen zu kochen, um vor allem die Elfen wieder in die lustigen, fröhlichen kleinen Gesellen zu verwandeln, die sie früher waren.

Bei Rudolf hatte er eher weniger Hoffnung, denn er verstand unter herzhaft gegrillte Marshmallows und unter Brotzeit ein Christstollen-Sandwich mit einer heißen Schokolade.

Gesagt getan, begann Nikolaus in der Küche zu wirbeln und kochte und backte was das Zeug hielt: Dinkel-Tofu Bratlinge, eine Rohkostplatte, glutenfreies Brot mit Keimlingen und Hüttenkäse, sowie Spinatdrinks und viele weitere wahnsinnig gesunde Sachen sollten den Elfen heute auf die Beine helfen und so wollte er nun jeden Tag weiter kochen. Den Kaffee ersetzte er durch Mate-Tee und jeder Elf bekam davon.

Er meinte es halt wirklich ernst mit der gesunden Ernährung.

Doch leider nicht mit der gewünschten Wirkung. Der Gewerkschaftsvorsitzende der Elfenvereinigung teilte Nikolaus nach drei Tagen mit, dass diese in Streik treten und mit sofortiger Wirkung die Arbeit niederlegen würden.

Der Krampus bekam von all dem Grünzeug eine extrem blasse Gesichtsfarbe und Rudolf bestellte täglich auswärts.

Bereits am gleichen Tag legten die Elfen ihm ihre Forderungen auf den Tisch und liefen mit kleinen gelben Westen und Schildern um das Haus des Nikolaus’.

Durch ein Megafon wurden Forderungen gebrüllt wie „Kaffee für alle“ oder „Mate-Tee stinkt!“.

Auf den Schildern, die sie trugen, waren kleine Kaffee-Haferl gemalt und Sprüche zu lesen wie „Kaffee ist Leben“ und „Nur Nikolaus trinkt Tee“.

Des Weiteren waren gelegentliche Sprechchöre zu vernehmen, die angeführt von Krampus „Was zur Hölle ist Houmous“ und „Freiheit für die Leberkässemmel“ skandierten.

Nikolaus hatte scheinbar mal so richtig Mist gebaut und wusste nicht mehr weiter. Gerade hatte ein militanter Elf ihm eine selbstgenähte Stofffigur an den Kopf geworfen, die Lage spitzte sich also merklich zu.

Doch da bemerkte er einen Duft aus der Küche kommen, den er schon fast vergessen hatte - den Duft von guter deftiger und wunderbarer Heimatküche.

Da waren Kartoffelknödel, eine resche Weihnachtsgans, Blaukraut und ebenso Wienerle mit Kartoffelsalat. Echte Wienerle nicht aus Tofu oder so einem Schmarrn und noch viele weitere Schmankerl brutzelten hier auf dem Herd.

Rudolf hatte in Windeseile all diese Köstlichkeiten gezaubert, um Nikolaus davor zu bewahren von Stofftieren gesteinigt zu werden und die Wogen zu glätten.

Aufgrund seiner österreichischen Energiedrinks war er regelrecht durch die Küche geflogen und hatte all das auf die Beine gestellt.

Und damit nicht genug, nun schnallte er sich zwei große Thermobehälter mit Kaffee auf den Rücken und lief nach draußen, um Kaffee zu verteilen.

Schon der Duft besänftigte die Elfen und der Kaffee verwandelte die Streikparolen in Weihnachtslieder und schon nach wenigen Tassen schunkelten die Elfen friedlich zu den Evergreens „Last Christmas“ und „Oh Du Fröhliche“.

Als sie dann noch von Rudolf zum Essen gerufen wurden und die festlich gedeckte Tafel vor sich fanden, löste sich alles in Freude auf und sie aßen und tranken, feierten und tanzten und der Streik war Vergangenheit.

Der Nikolaus entschuldigte sich bei den Elfen, die einstimmig mit den Worten „Kein Ding, Dicker“ antworteten und so hatte Nikolaus heute einige wichtige Dinge gelernt:

Kaffee ist Leben, Energiedrinks verleihen Flügel, Krampusse vertragen kein Gemüse und Elfen sind ein sehr gut organisierter Haufen.

Aber die wohl wichtigste Sache, die er heute verstanden hatte, war, dass das Einzige, das Körper und Geist wirklich zusammenhält, Heimatküche ist.

In diesem Sinne, wünsche ich Euch Allen eine gesegnete Weihnachtszeit und ein frohes Fest im Kreise der Familie.

Euer,

Alexander Reiter

www.alexanderreiter.de



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